Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek #39 Time for Yesterday Autorin: A.C. Crispin 1988, Pocket Books ISBN 0-671-70094-4 (Spätere Auflage: 0-671-03857-5) 303 Seiten |
Die Handlung dieser Fortsetzung zu "Yesterday's Son" spielt 2 bis 3 Monate vor "Star Trek: The Wrath of Khan".
Admiral Kirk findet sich relativ überraschend wieder auf einem Raumschiff wieder, als der Sternenflottenkommandant Morrow ihn und Spock über eine Notsituation informieren will. Seit kurzem nämlich bringen temporale Wellen Sterne dazu, rapide zu altern und damit auch zu Schwarzen Löchern zusammenzufallen. Ein Schiff ist diesen Anomalien bereits zum Opfer gefallen, nun altert Alpha Centauri B und droht, die bewohnten Koloniewelten zu verschlingen. Nachdem McCoy, der ebenfalls zurück zur Erde gerufen wurde wegen dieses Phänomens, an Bord geholt werden konnte, klärt Morrow die 3 Offiziere über den Grund der Störungen auf - der Guardian of Forever sendet diese Wellen aus, die binnen 90 Tage sämtliche Sterne des Universums zum Sterben bringen und damit sämtliches Leben vernichten könnten. Da Spock, Kirk und McCoy bisher die größten Erfahrungen mit dem Guardian gemacht haben, sollen sie sich des Problemes annehmen.
Spock schlägt vor, telepathischen Kontakt mit dem Guardian aufzunehmen - und erzählt Morrow von Zar, seinem Sohn. Da dieser aber zurück nach Sarpeidon gegangen ist, muß nun ein anderer starker Telepath gefunden werden, der dieser Aufgabe gewachsen ist. Als Kirk nun mit der Enterprise und vielen alten Kameraden aufbricht, schließt sich D'berahan, eine Marishal, an. Die Marishal sind eine Spezies, die rein telepathisch kommuniziert. Jedoch, als es die Enterprise trotz der temporalen Wellen endlich nach Gateway schafft, wird sie von der mentalen Verwirrtheit des Guardian überwältigt - sie schafft es nur, quasi ein Notprogramm zu öffnen, das nun wieder ein halbwegs normales Funktionieren der Zeitreise-Funktion garantieren sollte, bevor sie kollabiert. Spock hält nun Zar für die einzige Chance für das Weiterbestehen des Universums, denn nur er hat eine ähnliche telepathische Stärke wie D'berahan, daneben aber auch genügend starke mentale Schilde, um nicht überwältigt zu werden. Kirk und McCoy begleiten ihn in die Vergangenheit.
Doch Zar, mittlerweile Herrscher eines der Völker auf Sarpeidon, hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Eine Allianz aus 3 Stämmen hat sich gebildet, um New Araen, benannt nach Zars Frau, die bei der Geburt ihres Kindes gestorben ist, einzunehmen. Cletas, Zars engster Berater, sieht nur einen Weg, diesem Schicksal zu entkommen. Und zwar soll Zar Wynn, die Tochter eines der gegnerischen Stammesführer, heiraten - doch Wynn ist eine Seherin, und sie hat Zars Tod in der kommenden Schlacht prophezeit...
Auch "Time for Yesterday" ist so ein Buch (ähnlich wie der Vorgänger "Yesterday's Son"), bei dem man sich wünscht, man hätte es noch nicht gelesen, um es quasi nochmal zum ersten Mal lesen zu können. In diesem Roman paßt einfach alles, die Charaktere, die Dialoge...
Sehr schön fand ich die Weiterentwicklung von Spock, der auch durch die Geistesverschmelzung mit V'Ger erkannt hat, daß Logik alleine nicht alles sein kann. Großartig, wie diese Erkenntnis hier eingebaut wird - vor allem, wie subtil und dem Charakter entsprechend dies geschieht! Nun ist er auch mehr als 14 Jahre zuvor fähig, seine Gefühle Zar gegenüber in Worte zu kleiden. Aber auch dies geschieht auf eine Weise, daß es nicht wirklich offensichtlich ist, sondern umschrieben oder durch Blicke, Mimik und Gestik verdeutlicht wird. In diesem Roman gibt es keinen einzigen Moment, wo ich Spock eindeutig gegen seinen Charakter handeln sah. Nicht einmal, als er schließlich auf eigene Faust in die Vergangenheit reist, um Zar zu retten, war das für mich unglaubwürdig. Ja, da ist zwar wohl mehr Emotion als Logik dahinter, aber dies geschieht alles vor diesem Hintergrund, daß reine Logik nicht alles sein kann.
War Spock in "Yesterday's Son" noch nicht fähig, sich mit Zar auseinander zu setzen, so sind die Gespräche der beiden in diesem Roman allesamt einfühlsam und berührend. Spock macht kein Hehl daraus, daß er sich um seinen Sohn Sorgen macht, der sich scheinbar vollkommen in das Schicksal seines bevorstehenden Todes ergeben hat. 14 Jahre zuvor wäre es wohl kaum möglich gewesen, daß die beiden eine so tiefgehende und intensive, mir richtig unter die Haut gehende Unterhaltung über Emotionen führen... Dazu passend, ist Spock nun auch willens, sich zu seinem Sohn zu bekennen, auch wenn er dadurch nach vulkanischer Sitte zu einem Ausgestoßenen wird. Schade, daß hier nicht doch irgendwie die Chance ergriffen wurde, noch Sarek und Amanda einzubauen. Zwar erzählt Spock, er habe seinen Eltern von Zar berichtet, aber mich hätte doch sehr die Reaktion der beiden noch interessiert, wenn ihr Enkel leibhaftig oder zumindest in Form der Nachricht, die er Spock an seine Großeltern mitgibt, vor ihnen steht...
Auch Zars Entwicklung bleibt in sich vollkommen logisch. Kannte er vor seiner Ankunft auf der Enterprise gerademal seine Mutter, so knüpfte er nach seiner Rückkehr nach Sarpeidon enge Freundschaften - und diese wiederum bringen den Fluch mit sich, daß Zar die Qualen und den Tod seiner Freunde und seiner Familie am eigenen Leib miterlebt. Ist es da wirklich verwunderlich, daß er eine Mauer um sich herum aufbaut, um diesem Schmerz zu entgehen? Und im Lichte der tragischen Geschehnisse rund um Araen mag es noch mehr verwundern, daß er überhaupt noch in der Lage ist weiterzuleben. Hier fand ich es nicht nur dramaturgisch enorm stark, sondern einfach auch realistisch, daß Zar erst spät wirklich fähig ist, über den Tod seiner ersten Frau zu sprechen, die ganzen Details zu enthüllen, die traumatischer ja nicht sein können. Auch die Szenen mit Wynn passen ganz einfach. Erst durch das Zusammensein beginnen beide, ihre alten Wunden zu heilen. Da auch Wynn telepathisch begabt ist, ist ihre Verbindung nicht nur auf die physische Ebene beschränkt, sondern reicht bis in die psychische hinein - und da muß Zar schließlich seine Mauern fallenlassen...
Ganz besonders gelungen fand ich, daß trotz der nun wirklich bestehenden Vater-Sohn-Beziehung zwischen Spock und Zar die Freundschaft zwischen Zar und McCoy nicht übergangen wird. War der Arzt noch in "Yesterday's Son" dem jungen Mann so etwas wie ein Vater, so verliert er hier keineswegs seine Funktion als Ratgeber - ganz besonders, was Wynn und das Baby, das sie erwartet, angeht. So vermag es McCoy langsam, Zars Angst, er könnte auch seine zweite Frau im Kindbett verlieren, zu lindern. Ganz besonders berührend war hier auch diese kleine Szene, als Spock Wynns Schwangerschaft "entdeckt". Schade, daß er seinen Enkel nie leibhaftig zu Gesicht bekommen wird!
Besonders die kleinen Details der Geschichte lassen sie lebendig werden. So z.B., als Zars Verbindung zu Wynn plötzlich abreißt nach dem Sprung in die Zukunft, oder Ähnlichkeiten der vulkanischen Physiologie mit der der Bevölkerung auf Sarpeidon. Das sind zwar nur ganz kleine Puzzlestücke, die aber notwendig sind, um wirklich ein vollendetes Bild zu ergeben. Genauso auch Kirks Kopfschmerzen, wenn er länger mit Papierarbeit beschäftigt ist, dazu noch der Hinweis auf Kirks bevorstehenden Geburtstag, den Kobayashi Maru-Test auf der Akademie, den Spocks Kadetten in einem Monat abzulegen haben etc. All dies trägt dazu bei, diesen Roman nicht einfach alleine dastehen zu lassen, sondern ihn in den Kontext der Serie und Filme einzubetten.
Wenn man in diesem Buch überhaupt einen Minuspunkt finden will, dann ist es der der eigentlichen Story. Es mag vielleicht seltsam klingen, denn die Geschichte rund um den Guardian, der seine Erbauer sucht, die sich schließlich als allmächtige "Psychopathen" erweisen, ist ebenfalls interessant - aber irgendwie haben sich diese ersten 100 Seiten, bis Spock eben den Entschluß faßt, Zar um Hilfe zu bitten, ein wenig gezogen. Dabei war die Einführung des Charakters von D'berahan, ihrer Spezies wirklich gut geschrieben, sie kam als 3dimensionale, opferbereite Person super rüber... naja, aber ich wollte halt endlich das Wiedersehen von Vater und Sohn genießen!
Dazu ist mir hier, genauso wie in "Yesterday's Son", besonders die exzessive Verwendung der Vornamen aufgefallen. Ich würde dies nicht als "out of character" bezeichnen, aber Spock nannte Uhura nie Nyota und Kirk so vereinzelt nur Jim, daß man diese Vorkommnisse an einer Hand abzählen kann.
Mit diesen beiden Romanen ist A. C. Crispin wirklich eine tolle, mitreißende Geschichte gelungen. Beide, sowohl "Yesterday's Son" als auch "Time for Yesterday", bieten Star Trek vom Feinsten und zählen zu meinen absoluten LieblingsST-Büchern! Ein Muß!