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Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz
Buchbesprechung von Patrick Ahrer

Cover von "Vulcan's Heart" Star Trek
Vulcan's Heart
Autoren: Josepha Sherman & Susan Shwartz
1999, Pocket Books
ISBN 0-0671-01544-3
378 Seiten
(Hardcover-Ausgabe)

Nach Jahren von Freundschaft entschlossen sich Spock, nun ein Diplomat, und Saavik, Commander der USS Armstrong, sich zu verloben. Anders als bei Menschen war die Verlobungsfeier, während der die beiden Vulkanier auch telepathische miteinander verbunden wurden, ein ähnlich wichtiges Ereignis wie die nachfolgende Hochzeit - normalerweise wird die Verlobung auf Vulkan von den Eltern arrangiert, die beiden Partner sind da noch im Kindesalter. Unter den Gästen fanden sich Dr. McCoy und auch ein Starfleet-Lieutenant namens Jean-Luc Picard, der es sichtlich genoß, auf so renommierte Personen wie Sarek oder Spock zu treffen.

Jahre später erreicht Spock eine Botschaft von Commander Charvanek, der Romulanerin, die er Jahrzehnte zuvor im Auftrag von Jim Kirk um ihre Tarnvorrichtung gebracht hatte. Diesmal wendet sie sich an ihn, weil sie Gefahr für ihr romulanisches Reich und auch die Föderation witterte - und auch, weil sie trotz seines damaligen Verrates niemandem sonst trauen kann. Schon zu dem Zeitpunkt seines Aufbruchs nach Romulus beherrschen Spock allerdings nicht nur logische Gedanken - auch Saavik oder die Gefühle Nervosität und Unruhe schleichen sich in sein Denken. Spock schiebt dies allerdings auf das Faktum, daß er sich zu sehr mit seiner kommenden Rolle als romulanischer Wissenschafter identifiziert...

Zur gleichen Zeit ist auch Saavik von einer seltsamen Unruhe besessen - eine Unruhe, die sich zu bestätigen scheint, als sie nächtens von Captain Uhura aus dem Schlaf gerissen wird, die ihr mitteilt, daß Spock ohne Angabe von Gründen verschwunden sei... in Richtung Romulus, wie Spione berichtet haben. Saavik bittet um Urlaub und folgt Spock. Captain Picard und die Stargazer erhalten die Information, daß eine geheime Mission auf Romulus stattfinden wird, und den Auftrag, am Rande der Neutralen Zone auf den Agenten zu warten - Namen werden nicht genannt.

In der Zwischenzeit trifft Spock, als ein ferner Cousin Charvaneks und obendrein Gelehrter von einer der Koloniewelten getarnt, auf Romulus ein, wo er rasch zu Charvaneks Anwesen gebracht wird. Dort teilt sie ihm mit, daß nicht der Kaiser Shiarkiek, sondern Prätor Dralath das Kommando über die Streitmächte hat, das Volk ihn aber verachtet. Immer wieder gebe es Aufstände unter dem Volk, die alle niedergeschlagen würden, und mysteriöserweise sterben politische Gegner Dralaths in letzter Zeit oft durch scheinbare Unfälle. Charvanek glaubt nun, daß Dralath etwas Größeres beabsichtigt: Einerseits sei Steuergeld verschwunden, andererseits, müsse er sich der Gunst des Volkes sicher sein, um den Kaiser, der hoch in der Achtung seines Volkes steht, beseitigen zu können. Um die Befürchtungen bestätigen zu können, begleitet Spock Charvanek zu einer Senatssitzung, wo er Zeuge am kaltblütigen Mord an einem der Senatoren, ausgeführt von Dralath selbst, wird. Er trifft dort auch Ruanek wieder, den er vor Jahren auf Obsidian bei der Zerschlagung eines Komplottes (s. Vulcan's Forge) kennengelernt hatte und der seitdem auch einer seiner Informanten auf Romulus gewesen ist. Ruanek bestätigt die Verdächtigungen, und auch das, was Spock selbst gesehen hat, überzeugt ihn. Denn ganz nebenbei war auch Pardek, mit dem Spock seit Khitomer Kontakt hatte, verschwunden - vielleicht auch deshalb, weil er derselben Familie entstammte wie Shiarkiek und dementsprechend auch ein potentieller Nachfolger als Kaiser war... ebenso wie Charvanek selbst oder auch Narviat, die es bisher beide, auch weil sie sehr beliebt sind, geschafft haben, nicht auf Dralaths Abschußliste zu landen. Narviat wird Spock auch als möglicher Nachfolger Dralaths als Prätor vorgestellt.

Dies alles aber verblaßt, als plötzlich Saavik auf der Versammlung erscheint - Dralath stellt sie als Evaste vor, eine Heilerin, die ihr Wissen am nächsten Tag der Versammlung und auch einigen ausgewählten Wissenschaftern verkünden wird. Dralath leidet nämlich nach Geheimdienstberichten unter einer Krankheit, die früher auch auf Vulkan gewütet hatte, die man aber durch genetische Manipulationen jetzt dort heilen kann. Für Spock aber vergeht dieser eine Tag nicht schnell genug - er wird immer nervöser und auch gereizter, was zwar vielleicht für seine Rolle als Romulaner zuträglich ist, keineswegs aber für ihn als Vulkanier. Als er schließlich Saavik bei diesem Vortrag wiedersieht, kann Spock seine Gefühle kaum mehr im Zaum halten - auch Saavik hat Probleme, ihren Vortrag zuende zu führen. Nachdem sie geendet hat, gratulieren ihr die Anwesenden nach der Reihe... so auch Spock, dem Saavik dabei mitteilt, daß Dralath sie für diesen Abend zu sich eingeladen hat. Sofort regt sich Eifersucht bei Spock...

Ruanek und Charvanek hegen Verdacht wegen Spocks seltsamen Verhaltens. Schließlich klärt er sie über die wahre Identität Evastes auf. Am Abend schleicht sich Spock in den Palast des Prätors ein, um in der Nähe zu sein, wenn Saavik auf Dralath trifft. Dralath wiegt sich vollkommen in Sicherheit und glaubt, Saavik völlig eingewickelt zu haben. Er verrät ihr schließlich seinen Plan: Mit 7 Warbirds, einer neuen Raumschiffklasse, will er den klingonischen Außenposten auf Narendra III angreifen und vernichten, später den Angriff auf die Melville-Kolonie der Föderation ausdehnen. Durch diesen Sieg erhofft er sich den Ruhm, der ihm seiner Meinung nach zusteht.

Als Dralath zudringlich wird, kann ihn Saavik ausschalten, kurz bevor ein wutentbrannter Spock ins Zimmer stürmt und seinen Rivalen angreifen will. Trotz des wohl unpassenden Ortes werden beide von ungeheurer Leidenschaft erfaßt - und spätestens da wird ihnen klar, was sie die letzten Tage so abgelenkt hatte... Das Pon Farr hat sie beide voll erwischt.

Aber es gilt, eine Aufgabe zu erfüllen. Narendra III - im Gegensatz zu dem, was Dralath verkündet hat, eine klingonische Kolonie voller Zivilisten, Frauen und Kinder - muß vor der Zerstörung bewahrt und Dralath zur Strecke gebracht werden... Und das unter der Gefahr, daß Saavik und Spock an dem ungelösten Blutfieber sterben. Während Spock auf Romulus bleibt und die Revolution vorantreiben will, rast Saavik Richtung Föderation, um Hilfe für Narendra III zu bekommen. Mit letzter Kraft, bevor ihre Emotionen überhand nehmen, erreicht sie schließlich ein Föderationsschiff... die Enterprise-C, vielleicht die letzte Hoffnung für Narendra III.

Nach Vulcan's Forge, das sich doch eher auf Spocks Jugend bzw. seine Beziehung zu Menschen konzentriert hatte, wenden sich die beiden Autorinnen nun seinem "Liebesleben" zu. Vulcan's Heart hat ein schweres Erbe zu erfüllen, setzte doch das erste Buch von Sherman & Shwartz enorm hohe Standards - und Vulcan's Heart kann leider die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Gut, dieses Buch versucht, einige Lücken in der Geschichte zwischen ST: The Undiscovered Country und der STTNG zu füllen, setzte sich aber wahrscheinlich gerade hier zu große Ziele. Natürlich war ich gespannt zu erfahren, wie es überhaupt zu dem romulanischen Angriff auf Narendra III kam, der ja der Ausgangspunkt von "Yesterday's Enterprise" (STTNG) ist, aber in diese romulanische Bürgerkriegsgeschichte auch noch die Stargazer, Picard oder das erste Treffen zwischen Picard und Beverly hineinzuquetschen, wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen.

Gerade in diesen Teilen passierten nämlich doch auch Logik- bzw. Kontinuitätsfehler, die zwar jemandem, der die STTNG-Bücher nicht so gut kennt, nicht auffallen werden, für mich allerdings doch störend waren. So wird zB. bei der Beschreibung der Stargazer auf die Crew, die in "Reunion" (ein fabelhaftes Buch von Michael Jan Friedman) vorgestellt wurde, zurückgegriffen - an sich eine begrüßenswerte Tatsache, jedoch weiß man, daß Jack Crusher Erster Offizier an Bord der Stargazer war... hier allerdings ist er bei einer Kampfessituation nicht einmal auf der Brücke!

Ebenfalls ein kleiner Nitpick: In "Sarek" (STTNG) meint Picard zu Sarek, daß er bei der Hochzeit von dessen Sohn zugegen war - naja, hier ist es aber die Verlobung... kann ein Fehler der deutschen Synchronisation der Fernsehfolge sein, obwohl ich doch glaube, daß sie den Unterschied zwischen betrothal und marriage kennen. Und Walker Keel wird auch noch angeführt, und hier kann ich mir wiederum nicht ganz vorstellen, daß er über 20 Jahre lang dasselbe Schiff, nämlich die USS Horatio, befehligt. Vielleicht ist sie ja doch nicht einer Bombe, sondern Altersschwäche zum Opfer gefallen, als sie in "Conspiracy" (STTNG) explodiert ist...

Ok, das waren mal die Fakten, die meinen Lesegenuß etwas getrübt haben. Als totaler Spock-Fan nehme ich natürlich jede Gelegenheit wahr, etwas über meinen Lieblingscharakter zu erfahren. Und dahingehend enttäuschte mich Vulcan's Heart nicht. Es versucht auch glaubhaft, mittels der Relativitätstheorie von Einstein zu erklären, weshalb bei raumfahrenden Vulkaniern das Pon Farr den 7-Jahres-Zyklus nicht einhält - eine plausible Theorie (naja, für mich als Nicht-Physikerin jedenfalls), die auch für die Voyager und Tuvok Verwendung finden könnte. Mich hat etwas gestört, daß die Verlobung zwischen Spock und Saavik knappe 40 Jahre nach den Ereignissen von ST: Wrath of Khan und ST: In Search for Spock anberaumt ist. Mir kommt die Zeitspanne einfach zu lange vor, da es mich wesentlich mehr interessiert hätte, wie die beiden die Ereignisse auf dem Genesis-Planeten aufgearbeitet haben, wo Saavik Spock ja über das Pon Farr hinweg geholfen hat. Und das geht ja eben nur auf 2 Arten: Sex oder Kampf, und nach Kampf sahen mir die Szenen in ST III nicht aus... Hier hätte man meiner Meinung nach mit einer Geschichte über Saavik und Spock anschließen müssen, schon alleine deshalb, weil die Entscheidung zur Verlobung der beiden nicht erklärt wurde - das Buch beginnt einfach mit der Verlobungszeremonie.

Der Handlungsstrang über das romulanische Reich war zwar von dem Standpunkt her interessant, daß Spock ja bekanntermaßen für die Wiedervereinigung von Romulanern und Vulkaniern eintritt, wirkte für mich aber doch etwas herbeikonstruiert, um eben alle Plotfäden, die sich die Autorinnen zum Ziel gesetzt hatten, auch miteinander verbinden zu können. Hier wäre es in meinen Augen klüger gewesen, die Ereignisse zu teilen - entweder ich konzentriere mich auf Spock oder auf die Romulaner in der Intensität, wie es in diesem Buch versucht wurde. Da beide Faktoren (Spock, Romulaner) im ST-Universum eine wichtige Rolle spielen, und beide auch schändlich vernachlässigt wurden/werden, sollte man nicht versuchen, eine Spock-Geschichte mit dem politischen Hintergrund des halben 24. Jahrhunderts auf Romulus zu verbinden. 2 getrennte Bücher wären da vielleicht geschickter gewesen.

Alles in allem hat mir "Vulcan's Heart" trotz dieser Kritikpunkte doch recht gut gefallen. Die beiden Autorinnen schaffen es einfach, mir Spock näherzubringen. Auch wenn dieses Buch meine Erwartungen vielleicht nicht ganz erfüllen konnte, würde ich mich über ein neues Spock/Vulkanier-Buch von Sherman & Shwartz sehr freuen. Ich hoffe aber, sie besinnen sich dann wieder darauf, ihre Geschichte nicht zu sehr zu teilen...

Fazit: Auch wenn "Vulcan's Heart" auf Charaktere aus dem Vorgängerbuch "Vulcan's Forge" zurückgreift, so ist dieses Buch doch in sich geschlossen. Es braucht also niemand Angst zu haben, etwas nicht verstehen zu können, wenn er "Vulcan's Forge" nicht gelesen hat. Wenn man eine mögliche Geschichte rund um Narendra III lesen will, und auch einen Spock in den Fängen des Pon Farr, dann sollte man sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Möchte man aber eher eine Geschichte um Spocks Hintergrund, dann empfehle ich doch, eher zu "Vulcan's Forge" oder auch "Sarek" zu greifen.

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures