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Cover von "Überlebende"
Star Trek: The Next Generation #4
Überlebende
(Titel der Originalausgabe: Survivors)
Autor: Jean Lorrah
1990, Heyne (06/4705)
ISBN 3-453-04288-3
334 Seiten

Mit 15 Jahren wurde Tasha Yar von ihrer Heimatwelt befreit und auf die Erde gebracht. Damals waren die einzigen Erfahrungen, die sie ihr Leben bisher gelehrt hatte, voller Gewalt und Angst. Ihre Befreier waren Mitglieder der Sternenflotte, allen voran Lt. Commander Darryl "Dare" Adin, der sich nun um ihre Ausbildung kümmerte. Tasha beschloß, ihre Dankbarkeit ihm gegenüber zu zeigen, indem sie in seine Fußstapfen als Sternenflottenoffizier trat. Sehr zur Zufriedenheit Adins schaffte sie die Aufnahmeprüfung und bestach auf der Akademie als Klassenbeste. Ein Jahr vor ihrem Abschluß belegte Adin quasi als Fortbildung nochmals Kurse auf der Akademie - und die beiden erkannten, daß sie mehr als nur Freundschaft für einander empfanden. Sie faßten Hochzeitspläne, und für Tasha war diese Zeit die glücklichste ihres ganzen Lebens. Doch eine Routinemission knapp nach ihrem Abschluß endete in einer Katastrophe. Die Starbound wurde von Orionern angegriffen, bis auf Adin und den Schiffsarzt alle Senioroffiziere und 22 Kadetten umgebracht. Adin schaffte es zwar, wieder so weit Ordnung auf dem Schiff herzustellen, daß es die nächste Sternenbasis anfliegen konnte, doch dort wartete der nächste Schock. Er wurde wegen Verrats und Mordes angeklagt und für schuldig gesprochen. Er sollte nun in eine Rehabilitationseinrichtung überstellt werden, wo man den Grund für sein Fehlverhalten herausfinden und korrigieren wollte. Selbst Tasha begann, von den Beweisen regelrecht erdrückt, an der Unschuld ihres Verlobten zu zweifeln - und Adin schwor ihr bei ihrer letzten Begegnung, daß er sich für ihre Aussage, die den Ausschlag für seine Verurteilung gegeben hatte, rächen werde, weil sie ihn verraten habe.

Kurz nach der Mission auf Minos ereilt die Enterprise eine Nachricht des Planeten Trevan, dessen äußerst attraktive Präsidentin Navalia die Föderation um Hilfe gegen den Aufstand sogenannter Kriegsherren ersucht. Da Picard aber nicht genügend Informationen zur Verfügung stehen, um diesen Notruf zu bewerten, beschließt er, Data und Yar auf Erkundungsmission zu schicken, um sich ein Bild über die Lage zu machen. Auf dem Shuttleflug nach Trevan schnappen die beiden einige Berichterstattungen auf, in denen von Rebellen die Rede ist, sie beide als große Kämpfer und die Sternenflotte als kriegerische Organisation dargestellt werden. Einen Tag später sehen sie Berichte über sich, die sie in weit friedlicherem Licht zeigen - dazu werden Terroraktionen gezeigt, die nun mit der Hilfe der Sternenflotte endlich beendet werden sollen. Doch die Art, wie diese Terroranschläge gezeigt werden, machen Yar und Data stutzig.

Auf dem Planeten angekommen, werden sie von Präsidentin Navalia gebührend empfangen, die aber doch auch enttäuscht zu sein scheint, daß eine Frau und ein Androide als Repräsentanten geschickt worden sind. Tasha überzeugt Data davon, sie mit seinen Flirtsubroutinen in ein Gespräch zu verwickeln, was diesem auch gelingt. Als sich Yar verabschiedet, um zu Bett zu gehen, sind Data und Navalia vollkommen miteinander beschäftigt. Tasha sinniert noch recht amüsiert dieser Begegnung nach, als sie den schlafenden Wächter vor ihrem Quartier bemerkt. Doch ohne Verdacht zu schöpfen, betritt sie ihre Unterkunft, nur um dort von 2 offensichtlich kräftigen Männern überwältigt zu werden. Als ihr schließlich die Kapuze abgenommen wird, sieht sie sich ihrer großen Liebe gegenüber... Darryl Adin, dem Mann, den sie gelernt hat, Verräter zu nennen.

"Überlebende" ist ein augesprochen interessanter Roman, der sich besonders mit Tasha Yar, aber auch mit Data beschäftigt. Den Rahmen für ihn legen die Folgen "Arsenal of Freedom" und "Skin of Evil", wobei auch auf andere Episoden Bezug genommen wird. Ganz besonders interessant werden die Ereignisse von Tashas Jugend beschrieben, die ja in den TV-Episoden nur relativ vage angesprochen wurden. Natürlich  widerspricht die Darstellung hier ein wenig dem später ausgestrahlten "Legacy", wo Tasha auch noch eine Schwester verpaßt bekommt, aber die Informationen, die zur Zeit, als dieses Buch geschrieben wurde, vorlagen, werden hier sehr durchdacht in die Geschichte eingearbeitet.

New Paris entspricht hier wirklich dem grauslichen Ort, der in "Where No One Has Gone Before" kurz zu sehen war - und weniger den sterilen Gängen, die später in "Legacy" gezeigt wurden. Ganz besonders das Anfangskapitel, als Tasha von Lustbanden verfolgt wird und wieder vergewaltigt, mit Drogen vollgepumpt und schließlich als Sexsklavin verkauft werden soll, hat es in sich - in derartiger Drastik kamen solche Ereignisse in ST-Büchern Ende der 80er kaum zur Sprache (mit der New Frontier hat sich das etwas geändert, denn auch da wird nicht mit der Darstellung von grauslichen und gewalttätigen Szenen nicht gespart, was aber den Romanen keinerlei Abbruch tut, im Gegenteil!), aber sie dienen ausgezeichnet dazu, die junge, eben erst befreite Tasha in ihrer neuen Umgebung zu beschreiben. Ganz besonders ihre erste Reaktion Adin gegenüber, den sie nur verdächtigt, sie ebenfalls irgendwann in sein Bett befehlen zu wollen, bewegte mich - und seinen verletzten Blick, als sie ihn nun nach ein paar Wochen fragt, wann's denn nun endlich soweit sei, sah ich geradezu vor mir. Dies führt natürlich dazu, daß Dare in der Folge keinerlei Anstalten machte, aus der Rolle des Mentors zu weichen und Tasha seine wahren Gefühle zu offenbaren...

Diese Szenen sind für mich so bedeutsam, weil sich an ihnen Dares Wandlung vom Sternenflottenoffizier zum Söldner, der er in der Zwischenzeit nach seiner Flucht aus der Rehabilitationseinrichtung geworden ist, überaus deutlich zeigt. Als er sie nämlich gegen ihren Willen küßt, quasi um ihr zu beweisen, daß er immer noch derselbe ist (ja, ja, die Hormone!), antwortet sie, daß er es vor gar nicht allzu langer Zeit nie zugelassen hätte, daß sie jemand gegen ihren Willen küßt, mehr noch, daß er sie ja davor gerettet hat. Darauf flackert ein Teil des alten Dare wieder auf, der nun in irgendwelchen Untiefen verborgen zu sein scheint. Allerdings muß ich hier schon anmerken, daß es mir recht seltsam erscheint, daß Dare gerade diesen Versuch unternimmt, Tasha quasi irgendetwas zu beweisen. Wenn er sie nämlich liebt, dann würde er doch wohl kaum versuchen, ihr gerade in "körperlicher" Hinsicht etwas aufzuzwingen. In Anbetracht ihrer Jugenderlebnisse hat Tasha da sowieso ausgesprochen rational reagiert - was natürlich auch darauf zurückzuführen ist, daß ihre Liebe zu Darryl nie erloschen ist...

Die Angelegenheit rund um Adins Verrat halte ich für ausgesprochen dürftig. Bei seiner Verhandlung nämlich wurden keinerlei Details offenbar, die ich als hieb- und stichfeste Beweise deuten würde, die ganze Anklage beruhte also rein auf Indizien, die aber durch einen Computer gestützt wurden. Data findet schließlich Beweise dafür, daß der Computer manipuliert worden ist, aber gerade dies ist es auch, was mich ein wenig stört. Gut, Data muß sich quasi in einer Gedankenverschmelzung mit dem Computer verbinden, um die Sperre, die über den unmanipulierten Daten liegt, zu überwinden, daraus lese ich mal, daß es einem "normalen" Computerexperten wohl recht schwer gefallen wäre, diese Daten zu bekommen. Allerdings wird später enthüllt, daß nach Datas Fund der Computer nochmals untersucht und Datas Aussagen bestätigt wurden. Wie können diese Computerexperten dies nun auf einmal bestätigen? Nirgends wird erwähnt, daß Data diesen Schutz für alle Untersuchungen aufgehoben hat - und wenn man bedenkt, daß Datas Untersuchung ja recht abrupt abgebrochen ist, bleiben da schon ein paar Fragen zurück. Es ist dabei um Adins Teilnahme an einer Sicherheitskonferenz über neue Technologien der Orioner gegangen, die der Computer eben "bewiesen" hat. Und das reicht? Warum gab's keine anderen Konferenzteilnehmer, die Dares Anwesenheit bezeugen konnten? Eben vielleicht deshalb, weil er nicht dort war?

Als flüchtiger Verbrecher wird Dare nun natürlich von der Föderation gesucht - gleichzeitig aber gründet er eben diese Söldnertruppe, nennt sich Adrian Dareau und erwirbt sich auf vielen Planeten durch sein Eingreifen Ruhm. Sogar der Föderation ist er unter dem Ausdruck Silberner Paladin ein Begriff. Aber nirgends existiert ein Photo, das beweisen kann, wer Adrian Dareau in Wirklichkeit ist?

Die Verwicklungen rund um Data gefallen und mißfallen mir zugleich. Teilweise ist seine Handlungsweise nur durch Emotionen zu erklären, die ja der Data der 1. Staffel noch nicht in der komplexen Art und Weise analysieren konnte wie der späterer Staffeln. Klar, für die Dramaturgie dieses Romans war es notwendig, Data ein wenig mehr Gefühl einzuhauchen, und nur diesen einen Roman für sich genommen, funktioniert das auch wirklich sehr gut - nur stören diese Überlegungen rund um Emotionen doch etwas die Kontinuität innerhalb der Serie. Dort wird nämlich ein Androide präsentiert, der 7 Staffeln lang nicht fähig ist, Gefühle zu empfinden - und nun fragt er sich in einem Buch, das in der 1. Staffel angesiedelt ist, ob er nun eifersüchtig auf Dare ist? Das paßt einfach nicht in den Kontext.

Unabhängig von dieser Dreiecksgeschichte aber gefällt mir, wie schnell Darryn Data als vollwertige Person angenommen hat, nachdem er ihn vorher nur als Maschine auf 2 Beinen gesehen hat. Auch Datas Unterhaltungen mit dem Kriegsherrn Rikan, den Dare und seine Söldnertruppe im Kampf gegen Navalia unterstützen, beinhalten manch weise Äußerung. Daß Tasha und Data schließlich Rikan ebenfalls unterstützen, nachdem sie herausgefunden haben, daß Navalia die Stadtbevölkerung durch ein Halluzinogen unter Kontrolle hält, halte ich für eine fragwürdige Entscheidung. Gut, die "Ordnung" auf diesem Planet wurde aufgezwungen, trotzdem ist es immer noch eine interne planetare Angelegenheit, müßte somit unter die Erste Direktive fallen. Daß sich schließlich herausstellt, daß Navalia nicht die ist, als die sie sich ausgibt, ist schön, rechtfertigt aber in meinen Augen einen solchen Bruch der Direktive nicht wirklich.

Lorrah gelingt es, mit "Überlebende" eine spannende und gefühlvolle Geschichte zu schreiben, in der die Prophezeiung eines Mitglieds von Dares Gruppe am Ende aufgeht: Darryl gewinnt und verliert schließlich doch - er hilft Rikan, Navalia zu entlarven, Data beweist seine Unschuld und einem späteren gemeinsamen Leben mit Tasha steht nichts mehr im Wege. Doch das Schicksal führt Tasha schließlich nach Vagra II zu einem Wesen namens Armus...

Fazit: "Überlebende" ist ein ausgezeichneter Roman, wenn man sich nicht zu sehr an den kleinen Unstimmigkeiten vor allem rund um Data stört. Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen - genauso wie die Fortsetzung "Metamorphosen"!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


Hinweis:

Es ist auch eine Buchbesprechung zur amerikanischen Originalausgabe dieses Romans verfügbar: Star Trek: The Next Generation #4 - Survivors.



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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures