Buchbesprechung von Patrick Ahrer |
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Star Trek: Deep Space Nine Millennium #1 The Fall of Terok Nor Autoren: Judith & Garfield Reeves-Stevens 2000, Pocket Books ISBN 0-671-02401-9 412 Seiten |
"The Fall of Terok Nor" ist das erste Buch eines Dreiteilers von Judith & Garfield Reeves-Stevens, die in der Vergangenheit schon zahlreiche andere Star-Trek-Bücher geschrieben haben und mit "Millennium" nun ihren ersten Auftritt in der DS9-Buchreihe absolvieren.
Am Anfang des Buches erleben wir mit, wie die Cardassianer Terok Nor im Rahmen ihres Rückzuges von Bajor verlassen. Überall auf der Station herrscht Chaos, da die Cardassianer ihre Station nicht unbedingt friedlich verlassen. Sie zerstören alles, was ihnen irgendwie in den Weg kommt. Auf der Promenade versuchen sie sogar, Quark zu hängen. Doch kurz bevor es für den Ferengi endgültig zu spät ist, greifen seltsamerweise einige Cardassianer ein und versuchen, Quark vor den anderen Angehörigen ihres Volkes in Sicherheit zu bringen. Quark gelingt es schließlich, sich in seine Bar zu flüchten, in der sich auch Odo versteckt hat. Nachdem die Schlacht auf der Promenade zu einem Ende gekommen ist, betreten drei Cardassianer die Bar und fordern Quark und Odo auf, sich zu zeigen. Die beiden haben keine Wahl und verlassen ihr Versteck. Die drei Cardassianer scheinen nicht Teil des "normalen" cardassianischen Militärs zu sein und bringen Odo und Quark schließlich in einen abgelegenen und äußerst düsteren Teil von Terok Nor. Dort wartet eine Cardassianerin, die offenbar die Kommandantin dieser kleinen Gruppe ist, auf Quark. Mit Odo hat sie nicht gerechnet. Ihre drei Untergebenen haben den Changeling als eine Art Backup mitgebracht, für den Fall, daß mit Quark irgendetwas passiert. Anscheinend brauchen sie unbedingt einen Ferengi und Odo könnte sich im Fall des Falles in einen Ferengi verwandeln. Die Kommandantin, deren Name Terrell ist, folgt dieser Argumentation aber nicht und betäubt Odo sofort. Sie ärgert sich über die Dummheit der drei Cardassianer und weist darauf hin, daß Odo mit Hilfe seiner Fähigkeiten jederzeit flüchten hätte können, wenn er nur gewollt hätte.
Quark soll sich nun in einen seltsamen Raum begeben, in den nur er als Ferengi relativ gefahrlos eintreten kann. Alle anderen scheinen irgendwie durchzudrehen, wenn sie hineingehen. Da es sich Quark nicht aussuchen kann, folgt er den Anweisungen. Plötzlich scheint es so, als wäre er auf seinem Heimatplaneten Ferenginar und seine Moogie würde auf ihn warten...
Noch bevor wir erfahren, was dann passiert, wechselt die Geschichte die Zeit. Wir sind jetzt irgendwo in der zweiten Hälfte der 6. Staffel der TV-Serie. (Das ergibt sich daraus, daß Vic Fontaine in der Geschichte auftaucht, aber auch Jadzia noch dabei ist.) Auf der Station ist Quark in Schutzhaft, weil zwei andorianische Schwestern ihn am liebsten sofort umbringen würden. Die beiden sind offenbar ehemalige Geschäftspartner des Ferengi, die dieser schwer enttäuscht hat. Als Quark diese Situation nicht mehr aushält, will er seine Zelle verlassen. Doch Odo hat damit gar keine Freude. Da er den Barbesitzer verdächtigt, kurz zuvor einen anderen etwas zweifelhaften "Geschäftsmann" - Dal Nortron - umgebracht zu haben, wandelt der Constable die Schutzhaft in normale Haft um und behält Quark bei sich.
Auf Deep Space Nine treffen neben den andorianischen Schwestern und dem bereits ermordeten Dal Nortron auch noch andere Kriminelle ein. Unter ihnen ist auch Vash, die aus einigen TNG- und DS9-TV-Folgen bekannt ist. Es sieht fast so aus, als hätte Quark auf DS9 wieder einmal eine größere und evtl. nicht ganz legale Veranstaltung geplant, bei der schon im Vorfeld irgendetwas schiefgegangen ist.
Gerade als Sisko auf der Promenade versucht, aus Vash etwas herauszubekommen, bricht diese plötzlich nieder. Irgendjemand hat sie mit einem eigenartigen Geschoß getroffen. Bevor Vash das Bewußtsein verliert, stammelt sie noch einige Worte. Sie schafft es zwar nicht mehr, einen ganzen Satz zu formulieren, aber es scheint so, als sollte auf der Station ein Orb verkauft werden...
Unterdessen sind Jake Sisko und Nog nach längerer Zeit wieder einmal in ein altes Versteck von ihnen zurückgekehrt. In einem völlig abgelegenen Teil der Station haben sie schon vor vielen Jahren einen Bereich entdeckt, der vom Rest der Station weitgehend abgeschnitten zu sein scheint. Die beiden haben ihn gefunden, als sie früher in den Röhren der Station auf Entdeckungsreise gegangen sind. Bis heute haben sie niemand von diesem Bereich, der aus einem dunklen Gang und einem äußerst seltsamen Raum besteht, erzählt. Der Raum dürfte eine Art Holosuite sein. Die beiden vermuten, daß es ein cardassianisches Modell ist, da sie sich in gewissen Situationen etwas ungewöhnlich "verhält". Jetzt beschließen die beiden, daß sie diese Sache eigentlich melden sollten. Nachdem das erledigt ist, reagieren die Führungsoffiziere von DS9 erst einmal ein wenig skeptisch. Es stellt sich aber heraus, daß dieser Gang zusammen mit der Holosuite tatsächlich in keinem Plan der Station eingezeichnet ist. Zusammen mit Jake und Nog begeben sich Captain Sisko, Worf und O'Brien in diesen rätselhaften Teil von DS9 und untersuchen alles. Als sie die Holosuite betreten wollen, ist von dieser weit und breit nichts mehr zu sehen. Der Raum ist zwar noch da, aber es läuft kein Programm mehr. O'Brien findet auch keine Holoprojektoren oder andere typische Bestandteile einer Holosuite. Stattdessen sieht der Raum wie ein Labor aus...
"The Fall of Terok Nor" beginnt so viele verschiedene Handlungsfäden, daß ich einige jetzt hier noch gar nicht erwähnt habe. Zu dem, was ich oben in der Inhaltsangabe schon verraten habe, kommt also noch einiges hinzu. So findet die DS9-Crew zB zwei cardassianische Leichen, die teilweise mit der Außenverkleidung der Station "verschmolzen" wurden. Außerdem stößt eine bajoranische Starfleet-Offizierin mit für Bajoraner äußerst ungewöhnlichen Ansichten zur DS9-Crew.
Bleiben wir gleich kurz bei der "Neuen" auf der Station. Ihr Name ist Arla Rees und sie ist Commander in Starfleet. Im Gegensatz zu den meisten Bajoranern ist sie überhaupt nicht religiös. Ganz im Gegenteil, sie ist wütend darüber, daß die Bajoraner die Wurmloch-Aliens als Götter verehren. Sie meint, daß sich die Bajoraner durch ihren Glauben selbst beschränken. Meiner Meinung nach hat Arla damit nicht so ganz unrecht. Sie spricht in diesem Buch einiges aus, das ich mir hin und wieder auch schon gedacht habe. Etwas enttäuscht war ich daher darüber, wie die menschlichen Starfleet-Offiziere auf ihre Meinungsäußerungen reagiert haben. Gerade von den Menschen, die (wie insbesondere in TNG deutlich wurde) mit Religion im 24. Jahrhundert nicht mehr viel am Hut zu haben scheinen, hätte ich mir da zumindest ansatzweise Zustimmung erwartet. Judith & Garfield Reeves-Stevens kann man da aber keinen Vorwurf machen, weil das durchaus mit dem zusammenpaßt, was man in der TV-Serie zu sehen bekam. Jedenfalls ist Commander Arla eine nicht uninteressante Figur. Konfliktpotential ist auch dadurch gegeben, daß sie während der Besetzung durch die Cardassianer nicht auf Bajor war. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bajoranern ist sie in friedlicher Umgebung aufgewachsen und mußte nie gegen die Cardassianer kämpfen. Für manche Bajoraner, die kein solches Glück hatten, grenzt das schon sehr stark an Kollaboration mit dem Feind.
Viele gute Szenen gibt es in "The Fall of Terok Nor" für Quark. Er dient hier nicht nur als Humor-Einlage, sondern erscheint durchaus auch als ernsthafte, aber eben etwas andere Person, wie wir das zB aus "The 34th Rule" kennen. Das heißt aber nicht, daß es nicht auch einige sehr komische Szenen mit dem Ferengi gibt.
Die Geschichte selbst ist äußerst dicht erzählt und spannend. Und das, obwohl sie ungewöhnliche 409 Seiten füllt. Es ist großartig, wie die zahlreichen Handlungsfäden immer mehr verwoben werden. Alles erscheint wie ein großes Puzzle, dessen Teile langsam zusammengesetzt werden müssen, um zu erkennen, was hinter all diesen Ereignissen steckt. Aber auch am Ende von "The Fall of Terok Nor" ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Da verschlägt es die Führungsoffiziere von DS9 mit der Defiant ins beginnende 25. Jahrhundert, in dem die Geschichte in "The War of the Prophets" fortgesetzt wird.
In "The Fall of Terok Nor" tauchen auch zahlreiche Nebencharaktere aus der TV-Serie auf: Rom, Nog, in gewisser Weise Moogie, Garak, Kasidy Yates usw.
Fazit: Ein gelungener Auftakt für den Dreiteiler "Millennium". Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.