Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: Deep Space Nine #27 A Stitch in Time Autor: Andrew J. Robinson 2000, Pocket Books ISBN 0-671-03885-0 396 Seiten |
Dieser Roman ist ein einziger Brief von Garak an Julian Bashir, in dem ihm der Cardassianer seine Lebensgeschichte, seine Gedanken rund um den Angriff auf Cardassia während der letzten Monate vor dem letzten Kampf gegen das Dominion und auch seine Erlebnisse in der ersten Zeit zurück auf einem zerstörten Cardassia Prime schildert. Ich möchte gar nicht erst versuchen, den Inhalt dieses ausgezeichneten Romans wiederzugeben, da ich all den Facetten gar nicht gerecht werden könnte. Somit beschränkt sich diese Rezension auf den Kommentar.
Garaks gänzliches Leben ist bestimmt von anderen Personen, zuerst von seinen Eltern Mila und Tolan, später schließlich von Enabran Tain, seinem wirklichen Vater und Oberhaupt des Obsidianischen Ordens, der von ihm das bedingungslose Opfern seiner eigenen Wünsche für das Wohl aller fordert. Seltsamerweise ist die einzige wirklich haltende Freundschaft gerade die zu Pythas Lok, der ihn beinahe überall ausgestochen hat, sei es in der Schule oder auch bei der Nachfolge von Tain als Oberhaupt des Ordens.
In gewisser Weise erinnert mich "A Stitch in Time" an "Once Burned", da man auch hier als Leser einfach einen fabelhaften Eindruck darüber gewinnt, wie ein bestimmter Charakter zu dem wird, wie er später dargestellt wird. Garaks Leben ist mehr übersät mit Verrat und Verlust als mit Freundschaft und Liebe. Und tragischerweise muß Garak erst alles verlieren mitsamt seiner Heimatstadt, bis er sich wirklich frei fühlen kann.
An der Akademie in Bamarren lernt Garak die 2 Personen, die sein Leben positiv bestimmen werden, Pythas und Palandine, die zu seiner großen Liebe wird. Doch sie ist schon damals mit Braban Lokar verlobt, der Garaks Loyalität für seine Zwecke mißbraucht - mit dem Wissen Palandines. Erst viel später, als Garak schon für den Orden arbeitet, treffen die beiden einander wieder und beginnen ein Verhältnis. Und gerade diese Beziehung, die Garak die so wenigen glücklichen Momente seines Lebens beschert, bringt ihm auch den Fall in der Gunst Tains ein und schließlich sein Exil auf DS9.
Ähnlich wie im schon genannten "Once Burned" liegt die große Stärke dieses Romans darin, durch die Ich-Form als Leser mitten im Geschehen zu sein und dadurch keiner großen Worte zu bedürfen, um Garaks Gefühle miterleben zu können. So ist es für mich auch leichter zu verstehen gewesen, warum Pythas Lok, obwohl sein ganzes Leben hindurch ein großer Rivale, doch immer ein Freund geblieben ist. Und zwar, weil beider Leben von außen gesteuert waren, sie jedoch im persönlichen Umgang miteinander immer versuchten, einander kein Leid zuzufügen. Dies wird letztlich klar, als Pythas noch versucht, Garak davor zu warnen, daß Lokar über seine Beziehung mit Palandine bescheid weiß - und doch schließlich nicht mehr als Enabran Tains Mittel zum Zweck ist, Garak loszuwerden. Und dieses Gefühl des Verrates, der Einsamkeit, das ihn schließlich überkommt, als er herausfindet, als einziger Cardassianer auf einer nun bajoranischen Station zurückgelassen worden zu sein, ist wahrlich greifbar...
Der zweite Teil beschreibt die Zeit nach "In the Pale Moonlight" bis zu Garaks Rückkehr nach Cardassia. Hier werden seine Ängste, nach Hause zurückzukehren - vor allem in welches Zuhause - , sowie auch die Entfremdung von Bashir angesprochen. Während erstere ja auch in der Serie zu sehen waren, habe ich mit letzterer doch so meine Schwierigkeiten. Die Entfremdung soll nämlich mit "Our Man Bashir" begonnen haben, als Julian auf dem Holodeck Garak angeschossen hat, um die restlichen Crewmitglieder zu retten. Es stimmt schon, daß nach dieser Episode Julian wesentlich seltener mit Garak zusammengespannt wurde, aber Entfremdung würde ich das nicht nennen. Mir kam es eher so vor, als ob Garak einfach jetzt allgemein mehr integriert wurde - und die gemeinsame Gefangenschaft in "In Purgatory's Shadow/By Inferno's Light" sprach eigentlich auch eine andere Sprache.
Als gelungen fand ich die Szenen rund um die Agentin der Khon-Ma, die sich Garaks Vertrauen erschleichen und ihn später umbringen sollte - und gleichzeitig eine Freundin Ziyals war. Hier wird auch dieses Shuttle-Unglück angesprochen, das Garak noch in "The Wire" als einen der Gründe angegeben hat, die schließlich zu seinem Exil geführt haben. Genauso gefielen mir die Szenen mit Odo, die ein wenig das Verhältnis, das sich zwischen diesen beiden Charakteren seit "The Die Is Cast" gebildet hat und das sich so wunderschön besonders in "Tacking into the Wind" zeigt, widerspiegeln.
Ein wenig gestört hat mich der Abschluß dieses Teils, denn für mich kam nicht ganz heraus, wann Garaks Aufbruch nach Cardassia eigentlich stattfand. Hier in diesem Roman wird er so dargestellt, daß Garak nach dem Ende des Dominion nochmal nach DS9 zurückkehrte und erst später endgültig nach Cardassia aufbrach. Noch dazu scheint er da mit Kira und Odo zu reisen, was zumindest dem widerspricht, daß dies die Abreise in "Extreme Measures" zum nächsten Schlag des Widerstandes auf Cardassia sein soll (dem widerspricht auch die zum Zeitpunkt der Abreise in diesem Buch bereits bestehende Beziehung zwischen Julian und Ezri). "What you leave behind" hinterließ bei mir jedoch den Eindruck, daß Garak nach der letzten Schlacht gleich auf Cardassia blieb, anders ist da sein Abschied von Julian im zerstörten Haus von Tain nicht zu erklären. Aber das ist nur ein wirklich verschwindend kleiner Nitpick.
Dieser 2. Teil aber war für mich beinahe der am wenigsten interessante, obwohl dies bei der Qualität dieses Romans wirklich enorm schwer zu sagen ist. Besonders unter die Haut gingen mir vor allem die Berichte aus dem zerstörten Cardassia, wo nun langsam der Wiederaufbau beginnt. Garak zieht schließlich in das zerstörte Haus Tains ein, in dessen Keller immer noch die Leiche Milas verschüttet liegt. Allmählich, nachdem er bei der notdürftigen medizinischen Versorgung der Überlebenden geholfen hat (übrigens dem Arzt namens Parmak, von dem in "The Die Is Cast" noch gesagt wurde, er habe nur aufgrund von Garaks Blick bereits alles gestanden), macht er sich an das Aufräumen seines Hauses. Schließlich ordnet er die Trümmer in Form eines Mahnmales an, das immer mehr Leute zu Totenwachen anlockt.
Zum Wiederaufbau des politischen Systems bilden sich schließlich 2 Gruppen: das Direktorat, das die Rückkehr zum alten politischen System anstrebt, und das Wiedervereinigungs-Projekt, das auf Cardassia mehr Demokratie einführen möchte. Garak findet sich, für ihn selbst überraschend, auf der Seite derer wieder, die für mehr Demokratie plädieren - und das trotz all der Diskussionen, die er mit Julian auf DS9 geführt und in denen er die Demokratie als schwaches, ineffizientes System bezeichnet hat... Und das erste Mal in seinem Leben kann er diese Wahl rein für sich persönlich treffen, ohne auf seine Stellung in einem System achten oder Befehlen gehorchen zu müssen.
Neben bekannten Namen, die immer wieder mal in Garaks Leben auftauchen, wie Dukat, Madred, Ghemor, Evek, finden sich auch andere aus der TV-Serie wie Natima Lang (Profit and Loss) oder Nal Dejan (Destiny) hier wieder. Darüber hinaus gewinnt man auch einen Einblick in die religiös-kulturelle Seite der cardassianischen Gesellschaft, zuerst durch Tolan, später über Palandine und schließlich Garak selbst, der nun nach seiner Heimkehr selbst regelmäßig zu diesen "Messen" geht - und sei es auch nur, um durch Kel den Aufenthalt ihrer Mutter Palandine irgendwann herauszubekommen.
Wie schon erwähnt, ist dieser Roman einfach enorm vielschichtig, da vieles, das in der Serie nur hin und wieder angeklungen ist, hier auf enorm berührende und gefühlvolle Art beschrieben wird. Ich kann nur hoffen, daß "A Stitch in Time" irgendwann eine Art Fortsetzung findet. Garak und Cardassia wären diese bestimmt wert. Und dieses Buch selbst kann nur ein Prädikat bekommen: Must-Read!