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Cover von "Das Pandora-Prinzip" Star Trek #55
Das Pandora-Prinzip
(Originaltitel: The Pandora Principle)
Autorin: Carolyn Clowes
1995, Heyne
Heyne Nr. 06/5167
ISBN 3-453-07782-2
396 Seiten

Kurz vor ihrem Tod kann eine Vulkanierin namens T'Pren Spock in einer Gedankenverschmelzung vom Schicksal vieler Vulkanier, die mit 4 Forschungsschiffen verschollen sind, informieren. Die Schiffe stürzten allesamt auf Hellguard, einem Wüstenplaneten in romulanischem Gebiet, ab, wo die Forscher von Romulanern gefangen genommen und die Frauen vergewaltigt wurden. Nur die halbromulanischen Kinder, Produkte dieser Verbrechen, sind zum Teil noch am Leben.

Spock bittet um Urlaub und unterrichtet seinen Vater und andere vulkanische Diplomaten davon. Eine Rettungsaktion wird gestartet, die Föderation allerdings nicht informiert, da dies eine interne vulkanische Angelegenheit ist. Und tatsächlich werden sie auch fündig: Kinder, die nur noch Haut und Knochen sind und absolut alles für einen Bissen Nahrung tun würden. Während die anderen über das weitere Schicksal der Überlebenden beraten, macht sich Spock auf den Weg, ein geheimnisvolles Kraftfeld, das im Inneren des Planeten zu herrschen scheint, zu untersuchen... und wird Opfer einer Attacke eines Burschen. Ein Mädchen rettet ihn im letzten Moment, ein Mädchen, das Spock seltsam vertraut erscheint. Nach dem Verlassen des Planeten nimmt er ein Jahr Urlaub, um das Kind zu unterrichten.

6 Jahre später ist Spock immer noch Saaviks erster Ansprechpartner, als sie in die Akademie der Sternenflotte eintritt. Auch diese lange Zeit nach ihrer Rettung wird sie von Alpträumen über Hellguard heimgesucht, die sie vor etwas davon laufen lassen, dem sie aber nicht entkommen kann. In der Zwischenzeit spürt die Enterprise einen romulanischen Warbird auf, der durch die Neutrale Zone in Richtung Föderationsgebiet steuert, was praktisch einer Kriegserklärung entspricht. Doch es gibt keinerlei Lebenszeichen an Bord, und ein Landetrupp findet lediglich seltsam schimmernde Artefakte vor. Allerdings finden sich Aufzeichnungen über eine neuartige Tarnvorrichtung, die die Warbirds auch im Warpflug unsichtbar und dadurch zur Gefahr für alle Föderationswelten machen. Kirk erhält den Befehl, den Warbird zur Erde zu bringen.

Während sich die gesamte Mannschaft darauf freut, zur Erde zurückzukehren, trifft Spock Vorbereitungen, eines der Artefakte in die wissenschaftliche Abteilung der Sternenflotte zu bringen, um es dort näher untersuchen zu lassen. Darüber hinaus holt er Saavik an Bord, um ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Studien durch ein wenig Praxis an Bord eines Raumschiffes zu fördern. Zusammen suchen sie nach den Motiven für das Auftauchen des romulanischen Schiffes. Kirk muß sich mittlerweile mit seiner Furcht, wieder hinter einen Schreibtisch verbannt zu werden und seine geliebte Enterprise aufgeben zu müssen, herumschlagen und sucht fieberhaft nach Auswegen für dieses Dilemma... ein Ausweg führt ihn schließlich ins unterste Geschoß des Sternenflottenhauptquartiers.

Bei der Untersuchung des Artefakts splittert es plötzlich - und wenige Augenblicke später sind alle im Hauptquartier der Sternenflotte tot... bis auf Kirk, der nun im Untergeschoß fest sitzt. Ungefähr zur selben Zeit erschrickt Saavik beim Anblick eines weiteren der Artefakte auf der Enterprise und meint, tausende davon auf Hellguard gesehen zu haben. Was geschah vor Jahren auf diesem Wüstenplaneten? Und haben es die Romulaner geschafft, ein mörderisches Virus zu erschaffen, das ganze Planeten mit einem Schlag ausrotten könnte? Doch Spock weiß nicht, daß ein junger Docktechniker namens Harper noch ein weiteres dieser Artefakte für eine Untersuchung zu seiner Mutter, einer anerkannten Wissenschafterin, nach Life City in Kalifornien, die eine Ansammlung exotischer Biotope von Planeten der gesamten Föderation beherbergt, geschickt hat...

"Das Pandora-Prinzip" beleuchtet in ausgezeichneter Art und Weise Saaviks Hintergrund und bettet dies in eine interessante Geschichte ein. Leider taucht Saaviks halbromulanisches Erbe nur in den Büchern auf und nicht in den Filmen, aber es erklärt ihre emotionale Reaktion auf Spocks Tod in Star Trek: The Wrath of Khan.

Die Anfangsdiskussion der vulkanischen Abordnung auf Hellguard darüber, was nun mit den Waisen geschehen soll, fand ich ausgesprochen aufschlußreich. Ähnliches ist bereits in "Yesterday's Son" angeklungen, wo Spock es zwar als seine Pflicht ansah, Zar aus der Vergangenheit zu retten, aber dann nicht wirklich wußte, was er mit ihm, einem Fehltritt, der ihm auf Vulkan sehr übel genommen werden würde, wirklich anfangen soll. Hier beschließen die Diplomaten, die Kinder auf einer Raumstation zu erziehen, weil eine Gewöhnung an vulkanische Sitten zu schwer fallen würde, allerdings durch ihr Dasein auch immer eine Erinnerung bliebe, was man den verstorbenen Forschern angetan hat. Erst Spocks Eingreifen kann dies verhindern und öffnet den Kindern den Weg zu ihrer Heimat. Dabei geraten er und Sarek in Streit, was wiederum ein guter Hinweis darauf ist, wie sehr sich Vater und Sohn unterscheiden.

Das Verhalten der anderen Vulkanier finde ich doch recht unlogisch. Einerseits steht zwar fest, daß die Kinder nichts für ihre Geburt bzw. Entstehung können, andererseits möchte man sie wegsperren. Natürlich basieren auch Spocks Einwände nicht nur auf Logik, denn er strapaziert den Begriff "Heimat" doch recht stark. Er meint nämlich, daß die Kinder ein Recht darauf haben, eine Heimat zu haben. Dem ist natürlich nicht zu widersprechen, aber wo genau ihnen diese Heimat gegeben werden kann, das kann im vorhinein nicht wirklich bestimmt werden. Denn es dürfte wohl schwer werden, vollkommen verwahrloste, verwilderte Kinder, die nicht davor zurück schrecken, sich gegenseitig umzubringen, um zu überleben, an die vulkanische Gesellschaft so anzupassen, daß sie sich dort zuhause fühlen. Und wenn man es genau betrachtet, tut Spock selbst nichts anderes als das, was er so angeprangert hat, als er Saavik für ein Jahr auf einem einsamen Planeten unterrichtet. Zwar hat Saavik nun einen Ansprechpartner, aber eine Heimat hat sie nicht gefunden...

Schade, daß Saaviks Hintergrund in den Filmen so unbeleuchtet geblieben ist. Daß sie ein wertvoller Charakter ist, bewies sie zumindest in Star Trek II, in den anderen beiden Filmen wirkte sie ein wenig zu hölzern für meinen Geschmack. Dieser Roman hier zeigt auf, was man aus ihr hätte heraus holen können, wenn man sich nur ein wenig Mühe gegeben hätte. Der Zwiespalt zwischen ihrer Vergangenheit und dem zivilisierten vulkanischen Leben, das sie mit Spocks Hilfe zumindest annähernd erlernt hat, kommt ausgesprochen gut zur Geltung. Genauso ist auch dieser Traum, der sie immer wieder zurück nach Hellguard bringt, enorm gut eingebaut und bringt die Handlung letztlich noch einen Schritt weiter.

Der Hauptplot ist vielschichtig und gut aufgebaut. Zwar will mir nicht ganz in den Sinn, wie ein "Virus" arbeiten soll, das einer Atmosphäre quasi den gesamten Sauerstoff entzieht, ohne selbst auf irgendwelchen Scannern aufzutauchen, aber diese Prämisse kann natürlich diabolischer nicht sein. Und irgendwie paßt es auch noch sehr gut, daß Romulaner sich dieses Virus ausdenken... noch dazu irgendeine Untergrundgruppe, die die Macht übernehmen will. Damit bekommt man als Leser nicht nur einen guten Eindruck in die romulanische Denkart (hier natürlich eine extreme Form), sondern auch in die innenpolitische Situation. Klar, daß diese interessanten Einblicke von den Verbrechen, die an den Vulkaniern begangen werden, in den Schatten gestellt werden, nichtsdestotrotz tragen sie zum Gelingen dieses Romans bei.

Ein wirklich guter Schachzug gelingt auch, als Kirk im Keller des Sternenflottenhauptquartiers festsitzt, und somit mal jemand anders das Kommando und die Verantwortung auf der Enterprise übernehmen muß. Und als totaler Spock-Fan bin ich natürlich davon begeistert, wenn er mal nicht nur dieses Ding im Ohr stecken hat und ständig sein "Faszinierend!" zum Besten gibt, sondern wirklich auch die wichtigen Entscheidungen zu treffen hat. Wie auch schon A. C. Crispins Erzählung aus den "Enterprise Logs", die ja auch auf der hier etablierten Hintergrundgeschichte rund um Saavik basiert, erfüllt Spock diese Aufgabe als Kommandant mit mehr Einfühlungsvermögen, was seine gefühlsbetonteren Mitoffiziere betrifft, als so mancher menschlicher Captain...

Nur was Saavik betrifft, geraten sich McCoy und er des öfteren in die Haare, da der Arzt meint, die junge Frau könnte mehr emotionale Unterstützung benötigen, als Spock zu geben in der Lage ist. Diese Problematik angesichts Saaviks nicht gerade perfekter Kontrolle über ihre Emotionen ist natürlich offensichtlich, dennoch glaube ich, daß Spock seine Rolle als Mentor und väterlicher Freund hier gut spielt... bis auf diese Momente auf Hellguard, wo er auf eine mehr oder weniger unüberlegte Aktion ihrerseits hätte gefaßt sein müssen. Daß dann in der bereits erwähnten Geschichte in den "Enterprise Logs" bzw. auch in "Vulcan's Heart" mehr aus dieser Beziehung konstruiert wird, halte ich zwar für durchaus glaubwürdig, trotzdem aber für übertrieben.

Die Vielschichtigkeit dieses Romans habe ich bereits angesprochen. Dazu trägt auch die Geschichte rund um Harper bei, der unabsichtlich einen weiteren Ausbruch des Virus verursacht. Sein Freund, ein kleiner Alien, der ein wenig dümmlich erscheint, aber ein Händchen für technische Geräte hat, sorgt einerseits für ein wenig leichtere Stimmung, aber ist schließlich auch Retter in der Not. Ganz ehrlich gesagt, hätte ich auf dieses Wesen ruhig verzichten können und lieber eine originellere Lösung für die technischen Probleme der Enterprise gelesen als "Alien sieht Problem und macht es wieder ganz".

Die Rolle des romulanischen Händlers bleibt dubios. Einerseits holt er die Enterprise schließlich aus der Gefahr, andererseits erfährt man auch nicht wirklich, auf welcher Seite er steht. Aber daß nicht alle Rätsel gelöst werden, trägt natürlich nur dazu bei, daß man länger über das Gelesene nachdenkt...

Fazit: "Das Pandora-Prinzip" beinhaltet viele interessante Plotstränge, die sich allesamt zu einer ausgesprochen spannenden und überzeugenden Geschichte zusammenfinden. Wer mehr über Saavik erfahren möchte oder einfach auch nur mal wieder die Romulaner in prominenterer Rolle sehen will, der sollte an diesem Roman nicht vorbeigehen!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures