|
Star Trek #46 The Cry of the Onlies Autorin: Judy Klass 1989, Pocket Books ISBN 0-671-74078-4 255 Seiten |
Auf Boaco VI hat eine Revolution stattgefunden. Die bisherigen Herrscher, "Warlords", wurden gestürzt und ein sogenannter "Council of Youngers" hat die Macht übernommen. Boaco VIII ist ebenfalls bewohnt, die Beziehungen zwischen den beiden Planeten sind aber nicht die besten. Die Ereignisse auf dem sechsten Planeten des Systems machen den Herrschern von Boaco VIII Sorgen.
Die Föderation unterhielt in der Vergangenheit Beziehungen mit den Machthabern auf beiden Planeten. Boaco VI ist nämlich immer billiger Lieferant eines Rohstoffes gewesen, der äußerst selten ist und anderswo nur sehr teuer zu bekommen wäre. Für die Mitglieder des "Council of Youngers" ist das aber natürlich ein Grund, der Föderation nur wenig Sympathie entgegenzubringen. Ihrer Meinung nach wurde Boaco VI, dessen Bewohner nicht gerade in purem Luxus leben, ausgebeutet. Und zu allem Überfluß hat die Föderation dann aufgrund der Revolution auch noch ein Handelsembargo verhängt.
Die Enterprise soll nun nach Boaco VI fliegen, um Kontakte mit den neuen Mächtigen zu knüpfen. Captain Kirk, Mr. Spock und Dr. McCoy beamen zusammen mit einigen weiteren Crewmitgliedern auf den Planeten. Entgegen ihren Erwartungen landen sie aber nicht in unmittelbarer Nähe des Gebäudes, in dem der "Council of Youngers" zu Hause ist, sondern in der Wildnis. Entweder waren die Koordinaten, die man ihnen zukommen hat lassen, falsch, oder man hat sie absichtlich in die Irre geführt.
Das Team von der Enterprise marschiert daraufhin in die nächste Stadt und bekommt dabei einen ersten Eindruck von dem Planeten und seiner Bevölkerung. Die Leute sind ganz offensichtlich arm, strahlen aber dennoch großen Lebenswillen und gute Laune aus. Schließlich erreicht die Gruppe ein Gebäude, das so aussieht, als könnte es die Heimat des Councils sein. Diese Vermutung bestätigt sich kurz darauf. Nachdem die Starfleet-Offiziere gebeten werden, ihre Waffen abzugeben, und sie dieser Bitte auch entsprechen, werden sie zu einem Mitglied des Councils gebracht. Die junge Frau stellt sich als Ministerin für auswärtige Angelegenheiten vor und begrüßt Kirk und seine Leute.
In der Folge sind die Mitglieder des Teams auf dem Planeten überrascht über die doch recht freundliche Aufnahme auf Boaco VI. Die verschiedenen Minister führen einzelne Mitglieder des Teams auf dem Planeten herum und zeigen ihnen die verschiedensten Einrichtungen ihres jeweiligen Zuständigkeitsbereiches. Und obwohl immer wieder deutlich wird, daß die Mitglieder des Councils nicht gerade Fans der Föderation sind, behandeln sie Kirk & Co. sehr gut.
Und auch die diversen Programme und Einrichtungen, die von den neuen Ministern geschaffen wurden, überraschen die Föderations-Vertreter positiv, während sie von den Greueltaten der früheren Herrscher, über die sie während ihres Aufenthalts auf Boaco VI immer mehr erfahren, entsetzt sind. Es entsteht immer mehr der Eindruck, daß die Föderation auf diesem Planeten in der Vergangenheit brutale Diktatoren unterstützt hat.
Da die Föderation für den Council in den letzten Monaten aus mittlerweile verständlichen Gründen nicht gerade der erste Ansprechpartner war und auch ein Handelsembargo in Kraft ist, hat man sich auf Boaco VI stattdessen an Klingonen, Romulaner und Orioner gewendet und mit diesen Geschäfte gemacht und Beziehungen aufgenommen, was aus Föderationssicht natürlich alles andere als wünschenswert ist und zu einer recht komplizierten Situation im Boaco-System beiträgt.
Unterdessen haben zwei "Onlies" (das sind die Kinder aus der TV-Episode "Miri") ein kleines Schiff gestohlen, um damit den Betreuern zu entkommen, die auf ihren Heimatplaneten Juram V gekommen sind, nachdem die Kinder von der Enterprise entdeckt wurden. Das Schiff ist mit dem Prototyp einer brandneuen Tarnvorrichtung ausgestattet, die von Flint (dem Wesen aus der TV-Episode "Requiem for Methuselah") für die Föderation entworfen wurde. Die Kinder fliegen jetzt herum und sorgen für ein Problem nach dem anderen. Zum Beispiel zerstören sie einen Frachter, ohne daß ihnen dieser zuvor irgendetwas getan hätte. Schließlich gelangen sie auch ins Boaco-System und zerstören dort zwei Schiffe mit Repräsentanten von Boaco VI und Boaco VIII. Dabei kommt auch eine Ministerin des "Council of Youngers" von Boaco VI ums Leben. Kurz vor ihrem Ende erreicht Boaco VI noch eine Nachricht, daß ihr Schiff von einem Föderationsschiff angegriffen wird. Das macht auf die restlichen Minister auf dem Planeten natürlich keinen guten Eindruck und das Team von der Enterprise wird aufgefordert, Boaco VI sofort zu verlassen...
"The Cry of the Onlies" ist eine sehr gute klassische Star-Trek-Geschichte, die zwar keine besonderen Elemente enthält, durch die sie sich auf den ersten Blick von anderen unterscheidet, die mir aber doch so gut gefallen hat, daß ich sie fast in einem Zug durchgelesen habe.
Besonders gut und interessant beschrieben sind Boaco VI und dessen Bevölkerung. Es ist interessant zu beobachten, wie die Leute von der Enterprise langsam immer mehr bemerken, daß die Föderation hier in der Vergangenheit einiges ganz kräftig vermasselt hat. Die Herrscher, die von ihr unterstützt wurden, waren brutale Diktatoren, unter denen der Großteil des Volkes leiden mußte. Und als diese dann schließlich gestürzt wurden, ist der Föderation nichts besseres eingefallen, als ein Handelsembargo zu verhängen, sodaß dem neuen "Council of Youngers" nichts anderes übriggeblieben ist, als sich an Klingonen, Romulaner und Orioner zu wenden. Und dabei bemüht sich die neue Regierung in allen Bereichen vorbildlich um das Volk. Sogar Anhänger des früheren Regimes werden sehr fair behandelt. All das ist wenig schmeichelhaft für die Föderation. Und die zwar nicht immer offen gezeigte, aber doch vorhandene Abneigung ihr gegenüber ist aus Sicht der Boacaner durch und durch verständlich.
Judy Klass hat in dieses Buch zahlreiche Elemente aus TV-Episoden einfließen lassen. So erfahren wir in "The Cry of the Onlies" unter anderem, was mit den Kindern aus "Miri" passiert ist. Auch in dieser Hinsicht hat sich die Föderation nicht mit Ruhm bekleckert. Näheres dazu möchte ich hier aber nicht verraten. Flint aus der Episode "Requiem for Methuselah" kommt im laufe der Geschichte auf die Enterprise, um dabei zu helfen, das von den Onlies gestohlene Schiff einzufangen. Er hat die neue Tarnvorrichtung entwickelt und sucht jetzt nach einer Möglichkeit, das Schiff trotz aktivierter Tarnvorrichtung für die Enterprise sichtbar zu machen. Und schließlich wird auch noch auf "Dagger of the Mind" angespielt, indem eine "Gedächtnismanipulations-Maschine" vorkommt, die ein Nachfolgemodell der Maschine aus dieser Episode ist.
Fazit: Man versäumt zwar keine großartigen Einsichten in die Charaktere oder wahnsinnig wichtige Ereignisse in der Milchstraßen-Galaxie, wenn man dieses Buch nicht gelesen hat. "The Cry of the Onlies" ist aber ein sehr guter Roman, der eine interessante Geschichte erzählt und mich gut unterhalten hat. Ich möchte ihn jedenfalls nicht verpaßt haben.