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Star Trek: New Frontier #5
Martyr Autor: Peter David 1998, Pocket Books ISBN 0-671-02036-6 282 Seiten |
Im ganzen thallonianischen Sektor hatte sich das Auftauchen des Flammenvogels schnell herumgesprochen - genauso wie die bisherigen Abenteuer der Excalibur unter dem Kommando von Captain Mackenzie Calhoun (s. End Game). Doch für einige Völker und Planeten waren dies nur neue Geschichten, für andere die Erfüllung von Prophezeiungen...
Auf dem Planeten Zondar herrschte seit Urzeiten ein Bürgerkrieg zwischen den Ungzla und den Eenza, der nur durch die Herrschaft der Thallonianer unterbrochen wurde. In 500 Jahre alten Prophezeiungen steht geschrieben, daß die Ankunft eines Messias durch einen Flammenvogel angekündigt wird - dieser Messias selbst wird aus der Luft auftauchen und eine Narbe tragen... - und sein Tod wird die beiden Völker einen.
Auch auf Alpha Carinae, dessen Volk von den Redeemers zum Glauben an Xant bekehrt wurde, verbreiten sich Gerüchte über die Taten von Calhoun wie ein Lauffeuer. Die Bevölkerung wendet sich vom ihm aufgezwungenen Glauben ab - etwas, das die Redeemer nicht dulden können.
Auf der Excalibur selbst geht alles mehr oder weniger gewohnte Bahnen. Um ihr Pon Farr auflösen zu können, wendet sich Selar an den Captain. Shelby findet dies mehr als unpassend, aber als sie Selar zur Rede stellt, erfährt sie, daß auf es auf Xenex üblich ist, daß eine Witwe, die sich ein Kind wünscht, den Stammesführer auffordert, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Calhoun willigt ein.
Die Excalibur erhält eine Bitte der Zondarianer, sich mit ihnen zu treffen. Aufgrund der prekären Situation auf dem Planeten wird der Bitte Folge geleistet. Zwei Abgesandte, je einer der Eenza und der Ungzla, beamen an Bord und konfrontieren Calhoun mit der Prophezeiung. Sie bitten ihn, ihnen nach Zondar zu folgen und den Krieg zu beenden. Trotz Shelbys Einwand, die Erste Direktive erlaube eine solch direkte Einmischung nicht, ist Calhoun gewilligt, zumindest nicht abzustreiten, daß er der Messias aus den Prophezeiungen ist, und beamt auf den Planeten, wo er festlich empfangen wird. Doch trotzdem warnt ihn sein Gefahrensinn...
"Martyr" ist ein Roman, der in der Charakterentwicklung die Fäden aus dem Auftakt-Vierteiler konsequent fortführt, aber dessen Geschichte meines Erachtens nach nicht ganz an den Beginn der Serie anschließen kann.
Die Handlung braucht schon einmal Ewigkeiten, um überhaupt richtig zu beginnen. Natürlich müssen auch die Hintergründe Zondars oder der Redeemer erklärt werden, aber wenn der eigentliche Plot erst nach 120 Seiten so richtig beginnt, wenn die Excalibur endlich nach Zondar kommt, dann ist das bei einem rund 280 Seiten starken Buch etwas zu spät für meinen Geschmack. Es gibt natürlich einige interessante Punkte in dieser Messias-Geschichte...
Da stellt sich natürlich erstmal die Frage, inwieweit man Prophezeiungen vertrauen kann. So wird auf Zondar zum Beispiel der Bürgerkrieg aufgrund einer Prophezeiung geführt, und eine andere Prophezeiung besagt, daß er von einem Messias beendet werden wird. Diese Weissagungen sollen die Zukunft vorhersagen, aber inwieweit machen sie nicht auch die Zukunft, bestimmen selbst die Zukunft? Hier liegt ein wesentliches Detail, das man auch in der heutigen Zeit in Form von Wahlprognosen, Umfragen und ähnlichem in seiner Relevanz durchaus finden kann. Daß diese Prophezeiung, die Calhoun angeblich als Inhalt hat, auch anders interpretiert werden kann, sieht man am Ende des Buches - alles liegt im Auge des Betrachters.
Calhoun wandelt auf jeden Fall in diesem Buch auf einem sehr schmalen Grat - soll er auf die Prophezeiung eingehen, um einen Planeten zu retten, oder muß er auf die Erste Direktive pochen? So sehr er auch darauf beharrt, die Oberste Direktive der Nichteinmischung nicht zu brechen, indem er es halt nicht selbst bestätigt, der Messias zu sein, so bricht er sie meines Erachtens nach schon durch sein Erscheinen auf Zondar. Hier sieht man schön, wie zwiespältig doch diese Direktive ist, denn einfach wegzugehen und Zondar seinem Schicksal zu überlassen, wäre wohl ärger gewesen als diese Übertretung.
Die Story rund um die Redeemer erinnert sehr an die Bekehrung der Indianer nach der Entdeckung Amerikas. Die Auslöschung des ganzen Volkes von Alpha Carinae, nur weil es sich von Xant abwandte, durch ein eigens generiertes Virus zeigt auch, wie weit selbsternannte Glaubenshüter gehen - auch hier gibt es Beispiele in der Gegenwart.
Das bringt mich nun auf die Excalibur zu sprechen. Wieder werden einige interessante Details über Calhoun preisgegeben. Die Kultur von Xenex erhält ein kleines Puzzlestück mehr, indem man verrät, daß es die Pflicht der Stammesführer war, Kinderwünsche verwitweter Frauen zu erfüllen. Mac war zwar nicht der Stammesführer, aber als Kriegsherr und Bruder des Anführers mußte auch er einmal diese Pflicht erfüllen. In dieser sehr berührenden Szene erfährt man, daß Mac beileibe kein Frauenheld war, denn während des Krieges konnte er keiner Frau zumuten, möglicherweise gleich als Witwe zurückgelassen zu werden. Irgendwie ist es fast seltsam, diese Gedanken bei einem Mann zu finden, der Vorbild für ein ganzes Volk ist. Und dies trägt wiederum dazu bei, daß ich Mac noch sympathischer finde...
Schließlich ist sein erstes sexuelles Erlebnis die Erfüllung dieser Pflicht, als sein Bruder gerade nicht da war. Später erfährt man, daß die Folge dieses Ereignisses ein Sohn war, den Mac allerdings nie kennengelernt hat - Stoff für weitere interessante Geschichten. Ich hoffe nur, diese erste Begegnung, so sie einmal stattfinden wird, nicht so sein wird, daß sie miteinander kämpfen müssen... Ich will hier über ein wirkliches Kennenlernen dieser beiden Charaktere lesen - und nicht über 2 Männer, die sich gleich im nächsten Schlammloch klischeehaft schlagen.
Daß sich Selar schließlich an Calhoun wendet, um ihr bei der Auflösung ihres Pon Farr zu helfen (sprich: Sex zu haben), entstammt auch aus dieser alten Sitte auf Xenex. Diese paar Szenen zwischen Mac und Selar, Shelby und Selar und schließlich Shelby und Mac fand ich wirklich ausgezeichnet - weniger die schon langsam fast überzeichneten Szenen zwischen Selar und Burgoyne, als diese/r erfährt, daß Selar und Mac ein Paar sein sollen. Schließlich hat doch Burgy selbst einen anderen Partner mit McHenry gewählt, also sollte dies auch für Selar möglich sein. Schlußendlich wendet sich da aber sowieso alles zum Guten, und Selar und Burgy finden nach immerhin 5 Büchern zueinander. Wie Mark allerdings damit umgehen wird, bleibt abzuwarten.
Schließlich gibt es noch recht nette Szenen zwischen Robin Lefler und Si Cwan, man erfährt auch, daß Mark von seiner früheren Geliebten beinahe getötet wurde... Details erwarte ich für eines der nächsten Bücher, denn das kann man meiner Meinung nach nicht so stehen lassen. Als Calhoun unten auf dem Planeten und Shelby verletzt auf der Krankenstation ist, hat Soleta das Kommando inne... eine Erfahrung, mit der sie nicht gerechnet hatte, als sie vor Jahren die Sternenflotte verlassen hatte.
Interessante Einblicke in die geheimen Ängste verleiht schließlich ein Wesen auf Zondar, das diese ausgräbt und gegen die jeweilige Person ausspielt. So fürchtet sich Shelby immer noch vor den Borg, Burgoyne davor, von seinen Artgenossen, seiner Familie aber auch seinen Mannschaftskollegen ausgelacht und nicht akzeptiert zu werden. Darüber hinaus wird ein weiteres Mitglied der Besatzung mit Fähnrich Janos vorgestellt, der auch wieder Verwendung in "Double Helix - Double or Nothing" findet.
Lustig ist noch die Beschreibung, wie aus dem Flammenvogel, der dem Planeten Thallon (sozusagen dem Ei) entschlüpft ist, in der überlieferung mal eine Katze wird, mal 2 oder mehrere Vögel etc. Auch die Rolle der Excalibur schwankt je nach dem Ort, wo die Geschichte gerade erzählt wird...
Fazit: Mit "Martyr" wird ein weiteres Kapitel der "New Frontier" geschrieben. Es stellt sich immer mehr heraus, daß diese Buchserie mehr als Fortsetzungsgeschichte konzipiert ist, wo die einzelnen Bücher nur Teile eines größeren Ganzen sind. Auch wenn mich persönlich die reine Geschichte rund um Zondar nicht ganz so angesprochen hat, weil sie eben zu langsam in Fahrt kommt, so ist sie doch wegen der vielen kleinen Puzzlestücke, die bei den Charakteren wieder dazukommen, sehr lesenswert.