Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: Deep Space Nine Millennium #3 Inferno Autoren: Judith & Garfield Reeves-Stevens 2000, Pocket Books ISBN 0-671-02403-5 411 Seiten |
Sisko und seine Leute konnten nicht verhindern, daß die beiden Wurmlöcher gleichzeitig geöffnet wurden und dadurch eine Subraumwelle ausgelöst wurde, die das Universum auslöschte. Sie selbst, die einen auf der Defiant, die anderen auf der Boreth, wurden in den Gravitationswirbel der Wurmlöcher hineingezogen und erleben nun Visionen, die ihre tief vergrabenen Ängste symbolisieren. Nach und nach werden sie sich ihrer Lage aber bewußt und stellen Nachforschungen an, warum sie überlebt haben. Dabei entdecken Dax auf der Defiant und O'Brien auf der Boreth, daß sich auch DS9 in dem Wurmloch befindet - möglicherweise wurde die Station nicht zerstört, als das rote Wurmloch im Quark's entstanden ist, sondern einfach in das Wurmloch gezogen. Beide Schiffe werden von Gravitationswellen geschüttelt, die in immer kürzeren Abständen zu kommen scheinen. Dies bedeutet, daß nur mehr wenig Zeit bleibt, bis beide Wurmlöcher synchron sind und damit alles, was in ihnen ist (die beiden Schiffe, DS9), zerstört wird.
Weitere Untersuchungen ergeben, daß sich in dem Wurmloch mehrere Zeittaschen gebildet haben, daß demnach auf DS9, der Defiant und der Boreth die Zeit verschieden abläuft. So existiert die Station, die man von der Defiant aus ortet, in der Zeit um den Rückzug der Cardassianer, während die, die man von der Boreth aus sieht, um rund 6 Jahre zeitversetzt ist. Unabhängig voneinander beamen Sisko und Kira bzw. Odo auf ihre jeweilige Station, um einen Weg zu finden, die Ereignisse, die zur Zusammenführung der roten Drehkörper geführt haben, zu verhindern. Doch, ist das der richtige Weg, um diese Zukunft, die sie erlebt haben, zu verhindern?
"Inferno" ist ein ziemlich schwierig zu beschreibendes Buch und es erfüllte auch meine Erwartungen nur in groben Zügen.
Die ersten 100 Seiten sind gefüllt mit den persönlichen Höllen, die die Pah'Wraith den verschiedenen Personen schicken. Und diese Beschreibungen sind einfach zu langwierig und ziehen sich wie ein Strudelteig. Die nächsten 100 Seiten füllt Technobabbel über die Möglichkeiten von den jeweiligen Schiffen hinüber zur Station zu beamen. Dies vor allem auch noch doppelt zu lesen, ermüdet genauso. Erst, als dann die Handlung auf der Station in Fahrt kommt, wird's interessanter. Hier werden nämlich die Plotfäden, die in "The Fall of Terok Nor" rund um den Tag des Rückzuges gelegt wurden, langsam aufgelöst. Aber leider überwiegen auch hier ein wenig die Ungereimtheiten.
So zB. verstehe ich nicht, warum man hier schon wieder Angst davor hat, eine parallele Zeitlinie zu erschaffen. Wie schon in meiner Besprechung zu "The War of the Prophets" erwähnt, finde ich es angesichts dieser Zukunft, die nur Zerstörung bereithält, ja fast lächerlich, sich in Technobabbel über die Zeitlinie zu ergehen. Dazu dann Siskos Gefasel über seine Berufung als Sternenflottenoffizier auf der einen Seite und sein Dasein als Abgesandter der Propheten auf der anderen, ist genauso ein wenig an den Haaren herbei gezogen angesichts der Situation. Hier wiederum finde ich es wesentlich interessanter, daß Ben nicht einmal "der" Sisko sein soll! Ist ja nett, daß man hier ein neues Element einbauen will, aber dies widerspricht den Ausführungen der 7. Staffel, besonders des Final Chapter, doch ziemlich, wo immer Ben "der Sisko" war und nicht das Kind, das Kasidy erwartet.
Außerdem frage ich mich, warum sich Dukat und Weyoun auf der Station frei bewegen können, ohne in der Zeit hin und her geworfen zu werden. Dazu lassen sie sich viel zu leicht überwältigen, was ja geradezu einer Anti-Klimax entspricht und die Mühe, die Spannung über 3 Bücher aufrecht zu erhalten, nicht wirklich rechtfertigt. Und Arla... wie schon in "The War of the Prophets" vermutet, wurde sie mit Grigari-Naniten infiziert, was ihr plötzliches Hinwenden zu den "wahren" Propheten verursacht haben soll. Klar, daß Arla aus der ganzen Sache nicht ungeschoren davon kommen kann, aber sie quasi vom atheistischen Charakter zu einer Fanatikerin werden zu lassen, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen! Man erfährt zwar, daß die Grigari hinter der ganzen Ascendancy stecken und die Vereinigung der beiden Wurmlöcher beabsichtigen, aber es wird absolut nicht darauf eingegangen, warum sie das wollen, wo sie herkommen etc.
Der einzige Charakter, der wirklich konstant gut portraitiert wurde, ist erstaunlicherweise Jake Sisko. Bei ihm fand man sehr gut die Balance zwischen jugendlichem Eifer, Interesse und Neugier. Auch wird auf das Verhältnis zwischen Jadzia und Worf besonders in diesem 3. Teil wert gelegt, was zu manch nettem Dialog, in dem mehr ungesagt bleibt als wirklich ausgesprochen wird, führt. Aber dies alles macht leider die Enttäuschung über diese magere Auflösung einer interessanten Prämisse nicht wett. Denn schließlich wird durch Eingreifen der Propheten der Untergang von DS9 einfach verhindert... und darauf wurden 1200 Seiten Papier verwendet? Für etwas, das seit der 1. Seite von Buch 1 bekannt war?
Ich weiß gar nicht mal, wie ich diese Serie abschließend beurteilen soll. Bis auf die ersten 200 Seiten dieses Romans sind alle 3 Bücher gut zu lesen, aber wirkliche Spannung kommt in keinem Moment auf. Und da am Ende quasi der Reset-Button gedrückt wird, muß ich mich schon nach dem eigentlichen Sinn dieser Trilogie fragen. Eine Geschichte über 1200 Seiten zu schreiben, nur um den Propheten beizubringen, daß nicht alles vorhersehbar ist, macht für mich jedenfalls keinen Sinn, wenn sie sich schlußendlich selbst ad absurdum führt. Daher ist "Millennium" trotz guter Ansätze eine Enttäuschung für mich gewesen.