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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "House of Cards"
Star Trek: New Frontier #1
House of Cards
Autor: Peter David
1997, Pocket Books
ISBN 0-671-01395-5
168 Seiten


Dieses Buch ist der erste Teil von vier. "New Frontier" stellt ein ganz neues Konzept im Star Trek-Universum dar, weil hier zum ersten Mal die Abenteuer einer Mannschaft erzählt werden, die man bisher in dieser Form und Zusammensetzung noch nicht im TV gesehen hat. Der hier vorliegende Band macht den Leser mit der Vorgeschichte dreier Mannschaftsmitglieder sowie der Situation im Raumsektor, wo die U.S.S. Excalibur später patrouillieren soll, vertraut.

M'k'n'zy von Calhoun stammt vom Planeten Xenex, der jahrhundertelang von den Danterianern besetzt war. Mit 12 Jahren wurde er gezwungen, bei der Exekution seines Vaters zuzusehen - daraufhin beschloß er, sein Volk in die Freiheit zu führen, was ihm mit 19 auch gelungen war. Um in der Situation zu vermitteln, schickte die Föderation, deren Mitglied die Danterianer waren, die U.S.S. Stargazer nach Xenex... und Picard sah großes Potential in dem jungen Mann, der als Teenager sein Volk gegen Unterdrückung und Tyrannei führte. Aber er machte M'k'n'zy auch darauf aufmerksam, daß er sich andere Ziele suchen sollte, wenn er nicht will, daß sein Leben mit der Erlangung der Freiheit quasi zuende geht...

Soleta, halb Vulkanierin, halb Romulanerin, führte auf Thallon wissenschaftliche Experimente durch - die Thallonianer sind allerdings ein xenophobisches Volk, das Eindringlinge sofort einsperren läßt. So geschah es auch mit Soleta, die sogar vom Kanzler persönlich gefaßt wurde. Im Gefängnis begegnete sie einem anderen Vulkanier, der zwar undercover die Thallonianer beobachten sollte, aber nicht zögerte, Soleta zu helfen. Die beiden können mit der Hilfe Prinz Si Cwans entfliehen...

Dr. Selar schließlich verließ die Enterprise vor 2 Jahren, um wegen des Pon Farrs nach Vulkan zurückzukehren. Doch ihr Mann erlitt eine Herzattacke.

In der Zwischenzeit brach das thallonianische Reich zusammen, und Flüchtlinge suchen im Gebiet der Föderation Hilfe. Auf der Enterprise-E beschließen Picard, Spock, Nechayev und Jellico, daß es nur einen Mittelweg zwischen der Beachtung der 1. Direktive und militärischer Kontrolle der Danterianer im thallonianischen Sektor geben könne - die Entsendung eines Schiffes, das im thallonianischen Sektor patrouilliert und Hilfe gewährt, aber auch denen als Warnung dient, die sich vom Schicksal der Thallonianer einen Vorteil erhoffen.

Als Captain dieser Mission schlägt Picard Mackenzie Calhoun vor...

"House of Cards" versucht erfolgreich, eine Brücke zwischen altbekanntem und neuem zu schlagen. Der Großteil des Buches widmet sich der Erzählung der Vorgeschichten der einzelnen Charaktere.

Calhoun wird als Vulkan beschrieben, der um sich herum eine Mauer aus Eis oder Zivilisiertheit aufgebaut hat. Vor allem die ersten Kapitel, die sich Mackenzies Jugend auf Xenex widmen, verdeutlichen, wozu er bereit ist, um das Wohl der ihm anvertrauten Leute zu schützen. Auf Xenex ist es für junge Personen üblich, in der trockensten Region des Planeten, genannt Pit, eine Zeitlang zu verbringen - das Ziel ist, Visionen der Götter zu bekommen. Als Mac sich diesem Ritual unterzog, waren ihm keine Visionen vergönnt, doch dies konnte er vor seinen Landsleuten nicht eingestehen.  Er erzählte ihnen, daß er die Vision hatte, das Volk von Xenex gegen die Danterianer zu führen.

Erst, als er nach dem Kampf gegen Falkar, einem der Oberbefehlshaber der Danterianer auf Xenex, der auch die Exekution seines Vaters befohlen hatte, verletzt (die Szene, als er sich mit einem Schweißergerät die Wunde im Gesicht "verarztet", ging mir durch und durch!) und fiebrig durch diese Region irrte, erlebte er wirklich eine Vision - in Form von Captain Picard und der Sternenflotte. Das und auch die Worte Picards holten Calhoun von Xenex weg...

Doch nach dem Unglück auf der U.S.S. Grissom (s. "Once Burned") verließ er die Sternenflotte, um eigene Wege zu gehen. Diese sollten ihn aber bald in Schwierigkeiten führen, die ihn schließlich für Admiral Nechayev und eine Untergrundorganisation der Föderation (wohl Sektion 31) arbeiten lassen. Sinn im Leben scheint ihm aber erst wieder die Aufgabe auf der Excalibur zu bringen.

Mac wird einen unorthodoxen Captain abgeben, der eher auf seine Instinkte vertraut als auf Hilfe von außen. Man kann aber auch schon jetzt behaupten, daß er sich für seine Crew voll einsetzen wird - egal, auf welche Probleme sie auch treffen.

Soleta fühlt sich scheinbar mit ihrem halb-romulanischen Erbe nicht ganz wohl. Außerdem zieht sie es vor, an der Akademie zu lehren, als in der Galaxie herumzugondeln. Botschafter Spock empfiehlt sie jedoch aufgrund ihrer Erfahrungen auf Thallon für diese Mission.

Und Selar beschloß aufgrund des Todes ihres Mannes, dem sie nicht mehr helfen konnte, weil sie schon zu tief in der Gedankenverschmelzung drinnen waren, niemanden mehr so nahe an sich heran zu lassen. Nicht die besten Voraussetzungen, um Schiffsärztin zu werden...

Jellico kommt auch hier nicht von seinem Image als Unsympathler weg - irgendwie kann er einem fast leid tun!

Alles in allem ist "House of Cards" mehr als 1. Akt zu verstehen, denn als eigenständiges Buch. Man versucht hier, der Hauptperson, Calhoun, Tiefe zu verleihen und die Mission vorzustellen - das, gespickt mit bekannten und beliebten Charakteren und einigen recht netten Dialogen v.a. auf der Enterprise, wo Data Riker im Verdacht hat zu watscheln, was dabei herauskommt, macht durchaus Lust auf mehr. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die sehr interessanten und gut beschriebenen Einzelcharaktere auch wirklich zu einem Kollektiv zusammenzufügen sind.

Ich muß sagen, diese 168 Seiten kamen mir wie eine Art Drehbuch vor für den Film, der in meiner Phantasie ablief - ich vermisse es keine Sekunde lang, Calhoun bisher nicht auf dem Bildschirm kennengelernt zu haben. Fast im Gegenteil: Dadurch, daß bei anderen ST-Büchern die Charaktere ja als bekannt vorausgesetzt werden, verzichtet man dort meist auf detailreiche Beschreibungen. Hier aber kann sich Peter David den Luxus leisten, seine Hauptpersonen wirklich von Grund auf zu entwickeln, weil er unabhängig von Drehbuchautoren oder Regisseuren agieren kann.

Wenn dieses Buch ein Vorgeschmack sein soll, was mich in "Star Trek - New Frontier" erwartet, dann lechze ich geradezu nach mehr!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures