Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek
Vulcan's Forge Autoren: Josepha Sherman & Susan Shwartz Pocket Books ISBN 0-671-00926-5 328 Seiten |
Dieses Buch fährt 2 Handlungsschienen - eine in Spocks Gegenwart, als er knapp nach dem Tod Kirks und auch Spocks Mutter Amanda die U.S.S. Intrepid II befehligt, und eine in Spocks Vergangenheit, als er gezwungen war, nach einer Entführung tagelang mit einem menschlichen Burschen namens David Rabin durch die heißeste Gegend Vulkans, genannt Vulcan's Forge, zu marschieren...
Ein stolzer Tag war für die Familie des vulkanischen Föderationsbotschafters Sarek gekommen, als sein Sohn Spock seine Alterskollegen auf den Berg Seleya zu einer Zeremonie führen sollte, die das Ende der Jugend und den Beginn des Erwachsenenalters kennzeichnen sollte. Als Halbblut, halb menschlich, halb vulkanisch, hatte Spock keine leichte Kindheit, denn er paßte in keine der beiden Welten... Darum wurde das Fakt, daß gerade er die Prozession anführen sollte, nicht gerade allgemein von den Vulkaniern begrüßt. Noch dazu wohnten viele Nicht-Vulkanier der Zeremonie bei, um Sarek die Ehre zu erweisen - darunter Captain Rabin und ihr Sohn David.
Als begonnen werden sollte, unterbrach Sered, ein entfernter Cousin Spocks, und prangerte an, daß Spock, ein Halbblut, sich diesem Ritus unterwerfen könne, Romulaner, die demselben Blut wie Vulkanier entstammten, aber nicht. Auf einmal war die ganze Versammlung von Romulanern umgeben - Betäubungsgas verhinderte schließlich jeden Widerstand, als sie die Jugendlichen und alle Nicht-Vulkanier in Shuttles entführten.
Spock fand sich später in einer Höhle wieder, aus der er sich unbemerkt gemeinsam mit David Rabin befreien konnte. Um Hilfe zu holen, mußten die beiden allerdings Vulcan's Forge durchqueren - und ob dieses Unterfangen mit einem Menschen, der nicht einmal die Atmosphäre Vulkans ohne unterstützende Spritze ertragen konnte, gelingen würde, dessen war sich Spock nicht sicher...
Jahre später erhält Spock auf der Intrepid II einen Notruf der Sternenflottenbasis auf dem Planeten Obsidian. Die Sonne, um die der Planet kreiste, war in letzter Zeit so enorm aktiv, daß jedes Leben außerhalb der geschützten Mauern von Städten oder Häusern gefährdet war, in kürzester Zeit an Austrocknung oder Hautkrankheiten zu sterben. Die Föderation hatte ein Team rund um Captain David Rabin geschickt, um Schilde zu errichten, die die Strahlung abwehren sollten, und nach Wasserquellen zu bohren. Doch all diese Unternehmungen schlugen nacheinander fehl - das Vertrauen der Bevölkerung in die Hilfe der Föderation sank. Deshalb und auch weil der Planet in der Nähe der romulanischen Grenze lag, rief Rabin schließlich um Unterstützung.
Bei einer Inspektionstour in der Wüste von Obsidian stürzt schließlich das Shuttle ab, das Rabin, Spock, McCoy und andere transportierte, und die Kommunikation mit der Basis bricht ab. McCoy wird von der restlichen Mannschaft getrennt und findet sich später in einer Höhle wieder - eindeutig in der Gesellschaft von Romulanern... und einem anscheinend verrückten Vulkanier.
In der Zwischenzeit versuchen Spock und Rabin, Hilfe zu bekommen - und alte Erinnerungen an die Wanderung durch Vulcan's Forge werden wieder wach.
"Vulcan's Forge" ist wohl eines der stärksten ST-Bücher, das ich überhaupt jemals gelesen habe. Bisher kann ihm nur "Once Burned" halbwegs das Wasser reichen... Warum so? Nun, dafür gibt es verschiedene Gründe:
Der wichtigste von allen ist wohl, daß es sich hier um meinen absoluten Lieblingscharakter von Star Trek dreht - und das in einer Weise, die mir Spock extrem nahe bringt. Ich fand immer schon, daß Spock wohl einer der sträflichst vernachläßigten Charaktere im Star Trek-Universum ist, und dieses Buch gibt ihm sowohl Hintergrund als auch Persönlichkeit. Die Mißbilligung seines Vaters, daß er der Sternenflotte beitreten will anstatt die vulkanische Akademie der Wissenschaften zu besuchen, war ja bekannt. Aber wie es zu Spocks Entscheidung kam, wird erst in diesem Roman verdeutlicht.
Dadurch, daß Spock auf Wunsch seines Vaters vulkanisch erzogen wurde, wurde ihm von Kind auf eingetrichtert, daß jede menschliche Regung Schwäche bezeugt. Für jede Bezeugung dieser Schwäche in der Öffentlichkeit wurde er getadelt - sei es von seinem eigenen Vater, sei es durch den Hohn der Altersgenossen. Spock lernte schließlich, seine schwache menschliche Seite hinter seiner vulkanischen zu verstecken. Die Wanderung mit Rabin durch Vulcan's Forge schließlich belehrt ihn eines Besseren - plötzlich erweisen sich gerade Gefühle wie Hoffnung als Stützen, die David die Strapazen der Wanderung aushalten lassen.
Aus diesem Grund, und auch, weil er schließlich gezwungen war, jemanden im Kampf zu töten, wurde Spock dazu bewogen, seinen Platz in der Sternenflotte zu finden. Erst, wenn er für sich selbst wußte, wohin er gehört, könnte er nach Vulkan zurückkehren...
Dieser Teil rund um die Kindheit und Jugend Spocks ist sicherlich der interessantere des Buches. Im anderen Teil auf Obsidian wird ein junger Romulaner namens Ruanek vorgestellt, der in "Vulcan's Heart", dem 2. Roman der Autorinnen Shwartz & Sherman, noch eine gewichtige Rolle spielen sollte. Nebenbei wird noch die Freundschaft zwischen Spock und McCoy näher beleuchtet, die der Arzt fast als gefährdet ansieht durch die Konkurrenz in Form von Rabin. Beiden fehlt ein Stück nach dem Verlust Kirk - gerade dadurch rücken sie aber auch ein klein wenig näher zusammen.
Ein kleiner Subplot spielt auf der Intrepid II, die, während Spock und McCoy auf dem Planeten weilen, von Romulanern angegriffen wird. Hier schlägt Uhuras, Spocks 1. Offizier, große Stunde.
Schlußendlich kehrt Spock nach Vulkan zurück, wo er sich mit Sarek, der wie er selbst um Amanda trauert, aussöhnt. Jetzt, wo er seinen Platz für sich selbst gefunden hat, ist er bereit, die Sternenflotte zu verlassen und in seines Vaters Fußstapfen als Diplomat zu treten...
Die beiden Autorinnen vermögen es ungemein gut, der Figur Spock Leben einzuhauchen. In dem ganzen Roman fand ich keine Stelle, wo ich sozusagen aufgeschrieen habe, daß sich Spock nie und nimmer so verhalten würde. Endlich wurden sein Verhältnis zu Sarek und sein schweres Erbe näher beleuchtet. Einige Plotfäden werden in "Vulcan's Heart" wieder aufgenommen, v.a. Spocks Verhältnis zu den Romulanern, ein Volk, das ja ebenfalls vernachläßigt wird...
Ich kann "Vulcan's Forge" nur jedem empfehlen, der an Spock interessiert ist und nicht unbedingt nur ein 08/15-Enterprise-Abenteuer, sondern auch eine weitergehende Charakterisierung in einem Star Trek-Roman lesen möchte. Freunde reiner Action werden an diesem Buch allerdings weniger Gefallen finden...