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Star Trek: Dark Passions #1 Autorin: Susan Wright 2001, Pocket Books ISBN 0-671-78785-3 232 Seiten |
Dark Passions ist gänzlich im Spiegeluniversum angesiedelt. Der vorliegende erste Teil spielt vor DS9s "Crossover".
Seven, Agentin des Obsidianischen Ordens, bringt im Auftrag von Enabran Tain Duras, den besten Freund des Regenten der Allianz, Worf, um. Ein Fehler, wie sich später herausstellt, da dies Gul Dukat die Möglichkeit eröffnet, Aufseher über das terranische Reich zu werden. Über die Einrichtung dieses Postens des Aufsehers ist man sich in der Allianz ohnehin noch nicht einig, da viele der kleineren Mitglieder befürchten, dies könnte sie noch weiter unter die Herrschaft der Klingonen bzw. der Cardassianer - dies sind die beiden führenden Mitglieder - bringen.
Worf, außer sich über den unehrenhaften Tod von Duras, beschuldigt anfangs Gowron als Urheber dieser Tat. Deanna Troi, Intendantin von Betazed und Worfs Geliebte, hält Gowron allerdings für unschuldig, was durch eine Analyse des Blutes der Täterin bestätigt wird.
Die Verhandlungen auf Khitomer bringen nun Enabran Tain die Gelegenheit, Dukat ein wenig nachzuspionieren. Dieser versucht nämlich, Stimmen für die Wahl zum Aufseher zu erhandeln - auch die von Intendantin Kira Nerys von Bajor. Enabran erfährt, daß Kiras Mutter eine von Dukats Liebhaberinnen gewesen ist. Er läßt nun nach weiteren Geliebten und möglichen Kindern suchen, um etwas gegen Dukat in der Hand zu haben. Kira allerdings spielt ihr eigenes Spiel. Sie überzeugt Worf davon, sie als Aufseherin einzusetzen, da weder ein klingonischer noch ein cardassianischer Kandidat langfristig gut für die Allianz wäre. Worf und B'Elanna Torres, Intendantin des terranischen Sonnensystems und Worf treu ergeben, entscheiden schließlich die Wahl zugunsten von Kira.
Als sie nach Terok Nor zurückkehrt, steht plötzlich Ben Sisko in ihrer Kabine - er erzählt ihr, daß er von einem Handelspartner Kiras ein Artifakt erhalten habe, das ihn rein auf den Gedanken an sie hin auf ihr Schiff transportiert hätte...
"Dark Passions, Book 1" ist ein durchaus gelungener Auftakt zu diesem Zweiteiler der etwas anderen Art, spielt er doch gänzlich im Spiegeluniversum. Die aus TOS bzw. DS9 bekannten Fakten werden hier gekonnt eingebracht, mit den neu ins Spiel kommenden Charakteren und Positionen habe ich allerdings so meine Probleme. Bei manchen kommt mir der Hintergrund einfach zu erzwungen vor, darüber hinaus wundere ich mich, daß in beiden Universen dieselben Leute die Fäden in der Hand haben (wenn auch in anderer Rollenverteilung).
Am krassesten ist mir dies natürlich bei Seven aufgefallen. Annika Hanson wurde von Tekeny Ghemor nach der Zerstörung des terranischen Imperiums durch die Allianz aufgezogen, später trat sie dem Obsidianischen Orden bei, bekam ein Gesichtsimplantat sowie dieses Gehirnimplantat, das Garak in "The Wire" solche Probleme bereitete. Dazu wurde ihre Hand mit weiteren Implantaten verstärkt - und sie gehört dem 9. Korps an als 7. Agentin, daher ihr Codename Seven of Nine. Hier hätte es mir schon besser gefallen, man hätte keine 2. Seven erzeugt, sondern eine Geschichte erzählt, in der Annika auch wirklich mal Mensch sein darf. Stattdessen wurde sie dazu trainiert, kein Ego zu besitzen, sondern alles zu tun, was ihr aufgetragen wird. Das ist wirklich wenig glaubwürdig...
Unter den 2. Punkt, nämlich die Besetzung von Schlüsselpositionen mit altbekannten Leuten, fallen Troi und Torres - von Kira rede ich jetzt nicht, da ihre Position als Intendantin ja "canon" ist. Beide schaffen es ebenfalls auf Intendantenposten, beide noch dazu als Halbterraner, wobei Troi dies allerdings geheim hält. Schämt sich Torres in VOY ihrer klingonischen Seite, so tut sie dies hier ihrer Menschlichkeit wegen. Troi wiederum hat mir in "Dark Mirror" wesentlich besser gefallen. In jenem Buch nämlich war sie wirklich das genaue Gegenteil der "echten" Version, nützte ihrer telepathischen Fähigkeiten total aus und war dadurch der wahre Herrscher über die Crew der Enterprise. Hier aber geht man kaum auf ihre Fähigkeiten zurück, sondern zeigt sie nur als Worfs Geliebte mit ihrer Eifersüchtelei auf Kira. Diese Rolle hätte jede andere Person auch spielen können.
Interessant wird dieser Roman natürlich durch die politischen Verwicklungen und nicht zuletzt auch durch die Verschwörungsgeschichte rund um Kira. Daß Winn hier zur Abwechslung mal die Rolle einer mitfühlenden, guten Frau spielen darf, empfinde ich als sehr positiv - seltsamerweise ist nämlich dieser Charakter glaubwürdiger und detailreicher dargestellt als die Einführung von Troi und Torres oder Seven. Natürlich dürfen auf Bajor auch Tora Ziyal und Leeta nicht fehlen, und ich warte nur noch darauf, daß Ro auftaucht - naja, ein wenig Sarkasmus sei erlaubt angesichts der vielen altbekannten Charaktere, die gleichsam aus allen Löchern gekrochen kommen.
Für den 2. Teil bleibt auf alle Fälle genügend Stoff, vor allem der Plot um das Dreieck Kira-Worf-Troi sollte noch einiges an Spannung bringen. Und in Seven erwacht (wie überraschend!) so etwas wie Individualität - sollte sie sich denn noch vom Kollektiv namens Obsidianischer Orden losreißen können?
Abschließend ist zu sagen, daß die Idee, eine Geschichte mal ausschließlich im Spiegeluniversum spielen zu lassen, ausgezeichnet ist - an der Umsetzung mangelt es hier nur ein wenig. Statt zu versuchen, alle Charaktere hier irgendwie hineinzupferchen, wäre es vielleicht gescheiter gewesen, sich an denen festzuhalten, die bereits durch die diversen Episoden etabliert sind, und um sie herum eine spannende Handlung aufzubauen.
Trotz dieser Kritikpunkte hat mir der 1. Teil recht gut gefallen. Es ist doch mal was anderes, nicht von den gewohnten Personen zu lesen, und jedem, der mehr über das Spiegeluniversum lesen möchte, kann ich diesen Roman mit den genannten Einschränkungen empfehlen.