Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: New Frontier #8
Dark Allies Autor: Peter David 1999, Pocket Books ISBN 0-671-02080-3 256 Seiten |
Vor 20 Jahren begleitete Si Cwan seinen Onkel, den Kommandanten der thallonianischen Flotte, bei einem Angriff auf die "Black Mass", einem amorphen Konglomerat von Millionen und Abermillionen Einzellebewesen, das alle paar Jahre plötzlich aus der sogenannten Hungerzone kam und ganze Planeten und deren Sonne vertilgte, bevor es wieder verschwand. Sich seiner Stärke bewußt, ordnete Si Verdin, Si Cwans Onkel, damals das Feuer auf dieses Wesen an, das gerade wieder einen Planeten verspeiste... doch er erzielte absolut keinen Erfolg. Dieser Schmach folgte Si Verdins Selbstmord...
Wieder ist die Schwarze Masse aus der Hungerzone aufgetaucht und bedroht diesmal Tulaan IV, den Heimatplaneten der Redeemer. Der Overlord, der höchste Redeemer, beschließt, die Excalibur um Hilfe zu bitten, da eine Evakuierung des Planeten durch den Glauben, ihr Gott Xant würde dorthin zurückkommen, nicht in Frage kommt. Um seiner "Bitte" um Hilfe Nachdruck zu verleihen, stellt er Calhoun ein Ultimatum: Wenn er den Redeemern nicht hilft, würde das ganze Volk der Fennerianer durch ein Virus ausgerottet werden...
Doch nicht nur der Overlord hält Probleme für Mackenzie Calhoun bereit, ist doch Xyon, sein Sohn, mehr als abweisend zu seinem Vater. Durch diese Begegnung beginnt Mac wieder über seine Gefühle zu Shelby nachzudenken - Xyons Meinung nach war er bisher nicht fähig zu einer ernsthaften Beziehung, weil dies bedeutet hätte, sich seinem Partner innerlich zu öffnen. Kalindas und Xyons Ankunft auf der Excalibur stellt auch für Si Cwan ein Problem dar, der es gar nicht gerne sieht, daß die beiden ein Verhältnis eingehen, sieht er doch seine Schwester immer noch als Kind und Xyon als einer Prinzessin nicht ebenbürtig an... Und dies wiederum führt dazu, daß sich Calhoun und Si Cwan miteinander auseinandersetzen müssen...
Doch all dies darf ihn nicht von der Black Mass oder den Redeemern ablenken...
"Dark Allies" ist ein wirklich toller Roman, der alle guten Eigenschaften der "New Frontier" auf sich vereinigt: eine gute Story, Charakterentwicklung und -interaktion.
Beginnen wir mal bei der Geschichte an sich. Hier steht Mac vor der schweren Entscheidung, entweder den Forderungen der Redeemer nachzugeben und die Black Mass zu vernichten oder aber ein ganzes Volk zum Tode zu verurteilen, gleichzeitig aber auch die Redeemer selbst loszuwerden. Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile - und Mac versucht, sich auf einem Mittelweg durchzumogeln. Dies funktioniert aber nicht ganz so wie geplant, da der Overlord für jede Eventualität vorgesorgt hat. Schließlich bleibt Mackenzie nichts anderes übrig, als die Black Mass zu vernichten...
Man sieht auf jeden Fall sehr schön, welche Mittel den Redeemern recht sind, wenn sie so zum gewünschten Ziel kommen. Hier schreckten sie nicht davor zurück, ein ganzes Volk mit der Auslöschung zu bedrohen oder 2 Offiziere zu entführen. Gerade bei letzterem habe ich mich aber etwas schwer getan einzusehen, warum Calhoun trotzdem auf die Forderungen des Overlord eingeht. Natürlich will er seine Leute retten, aber, um es salopp auszudrücken, was sind zwei Leben gegen die Möglichkeit, die Redeemer für immer davon abzuhalten, immer neue Welten zu bekehren oder sie, so sie es für nötig erachten, auszurotten? Sollte da nicht der Grundsatz gelten, daß das Wohl vieler über dem Wohl weniger liegt?
Interessant ist hier, daß die Fähigkeit des Overlord, einer einzelnen Person durch Worte Schmerzen zu bereiten (wie er es mit Xyon in "The Quiet Place" getan hat) durch den Universaltranslator unterbunden werden kann - zwar nicht sehr plausibel erklärt, aber einfallsreich.
Diesem Buch mangelt es auch nicht an Charakterentwicklung. So wird Calhoun endlich nach knapp 20 Jahren mit seinem Sohn Xyon konfrontiert, der ihm gegenüber recht feindlich eingestellt war, weil er das Leben als Sternenflottenoffizier dem auf Xenex mit seiner Familie vorgezogen hat. Obwohl ihm seine Mutter die Umstände seiner Zeugung erklärt hat ("Martyr"), hätte Xyon es logischerweise lieber gehabt, einen richtigen Vater zu haben als nur zu wissen, daß dieser fern von der Heimat durchs All fliegt. Dies macht er Mac natürlich auch klar, als dieser meinte, er habe eh versucht, Catrine und ihn zu finden, als er auf Stippvisite auf Xenex war...
Vor allem Xyon bringt das Leben auf der Excalibur doch recht durcheinander. So endet eine Willkommensparty, die von Lefler organisiert wurde, in einer Schlägerei mit Si Cwan, der es gar nicht gerne sieht, daß sich Xyon und Kalinda näher kommen - Lefler landet dabei in der Torte... Eine köstliche Szene folgt, als Robin dies ihrer Mutter erzählt und Morgan versucht, den Ausführungen zu folgen.
Doch dies ist nicht das letzte Mal, daß Xyon und Si Cwan aneinanderkrachen. Als Si Cwan seine Schwester und ihn in flagranti ertappt, kann nur Mac verhindern, daß seinem Sohn ärgeres geschieht... Überhaupt wird Mac in diese Beziehungskiste hineingezogen, indem Si Cwan ihn bittet, Xyon ins Gewissen zu reden, daß dieser als Liebhaber Kalindas nicht geeignet ist. Mac lehnt nicht nur ab, sondern ist empört, wie snobistisch Si Cwan Xyon (und damit auch ihm) gegenüber eingestellt ist. Die List, derer sich Si Cwan schließlich bedient, um Xyon und Kalinda auseinander zu bringen, ist alt, aber scheinbar immer noch wirksam - er redet von Hochzeit, was Xyon schließlich dazu bringt, beinahe fluchtartig die Excalibur zu verlassen. Hier wundere ich mich schon, wie gluckenhaft sich Si Cwan seiner Schwester gegenüber verhält. Statt sich darüber zu freuen, sie wieder zu haben, zerstört er quasi ihr Glück. Ich hoffe nur, daß die Diskussionen, die er mit Robin über dieses Thema hatte, ihm auch endlich die Augen über ihre Gefühle geöffnet haben - es wäre nett, wenn da nicht mehr lange gezögert wird, bis die beiden zueinander finden.
So quasi ganz nebenbei bekommt Selar ihr Baby - und das an einem unwirtlichen Ort, auf den Burgoyne und sie vom Overlord transportiert wurden als Druckmittel gegen Calhoun. Diese Beziehung entwickelt sich langsam zu einer Art Haß-Liebe - durch die telepathische Verbindung, die sie seit Selars Pon Farr teilen, werden sie aber wohl kaum fähig sein, ohne einander zu leben. Ich bin schon gespannt darauf, wie sich ihr Verhältnis weiter entwickeln und das Kind, das zwar das vulkanische Äußere Selars, aber auch Burgys Zwitter-Dasein geerbt hat, in die Geschichte integriert wird.
Dazu muß auch noch ein weiterer Auftritt von Fähnrich Janos erwähnt werden, der den Hohe Priester auf Fenner unschädlich macht, was die Drohung des Overlord gegen die Bevölkerung (Hohe Priester setzen das Virus nach ihrem Tod frei, das die ganze Bevölkerung ausrottet - s. "Martyr") entkräftet... und ihn schließlich Selar und Burgy entführen läßt. Auch Katarina Mueller ("Once Burned") taucht wieder auf, was mich sehr freut - einem Dreieck zwischen Calhoun, Shelby und ihr steht nichts mehr im Weg, da Mac bei Problemen immer noch eher zu ihr geht als zu Shelby.
Doch zurück zur Excalibur und zu Calhoun: Die für mich interessantesten Entwicklungen betreffen - wie immer - ihn. Auch bedingt durch Xyons Ankunft läßt er sich für einen kurzen Moment lang von seinen immer noch tiefen Gefühlen für Shelby übermannen. Durch den daraus resultierenden Kuß wird Shelby noch weiter in Unsicherheit gedrängt, da sie glaubt, nur alibihalber an Bord zu sein, um den Anschein von Sternenflottenregeln zu wahren. Hier freue ich mich ganz besonders auf eine Fortsetzung, da Calhoun ihr schlußendlich seine Gefühle offenbart, Shelby aber nicht mehr dazu kommt, ihm zu antworten...
Die Black Mass wird von Xyon in einem Schwarzen Loch - dem, woraus Xant zurück zu den Redeemern kommen soll - versenkt, Xyons Schiff verschwindet ebenfalls, was Calhoun dazu verleitet zu denken, er habe seinen Sohn verloren. Gerade diese letzte Szene, als Xyon auftaucht, um der Excalibur zu helfen, hat mich wahnsinnig angesprochen... Gerade hier war ein gegenseitiges Verständnis von Vater und Sohn zu spüren, was die Szene doppelt tragisch erscheinen läßt. Und der Schmerz, den Mac empfinden muß, als er seinen Sohn für tot hält, war beinahe greifbar. Man hat hier einfach gemerkt, daß da was in Mac zerbrochen sein muß...
Xyon aber hat sein Schiff nur getarnt, um ein wenig Abstand von der Excalibur, seinem Vater und Kalinda zu bekommen... Als eine kleine persönliche Rache an den Redeemern setzt er 2 kleine Einzellebewesen der Black Mass auf Tulaan IV aus, die beginnen, sich den Magen vollzuschlagen. Ich bin gespannt, wie diese Geschichte weitergeht.
Am herbsten an dem ganzen Roman ist allerdings der Schluß, an dem einfach mitgeteilt wird, daß die Excalibur in 5 Minuten in die Luft fliegen wird - da keiner der Crew dies ahnt, sondern alle ihren normalen Aufgaben nachgehen, bleibt nun nicht nur die Frage, wie dies geschehen wird, sondern auch, was aus der Crew wird. Bis zum nächsten Buch bleibt hier (leider) massenhaft Zeit für Spekulation.
Ich hoffe jedenfalls, daß Mac und Shelby eine Gelegenheit bekommen, ihre Gefühle auszuloten, bevor sie ein etwaiges neues Schiff übernehmen. Das wäre mein größter Wunsch an Buch 9.
"Dark Allies" ist nach "Once Burned" mein absolutes Lieblings-NF-Buch - so einen inhaltsintensiven, in allen Plotfäden ähnlich überzeugenden Roman habe ich selten zuvor gelesen. Komischerweise trübt gerade der Cliffhanger den Genuß etwas, da ich es nicht sehr mag, am Schluß eines Buches so hängen gelassen zu werden.