Angehörigenbetreuung und Angehörige in ihrer Trauer begleiten |
Spiritualität in Tod und Trauer |
| Es gibt Menschen, die Ahnungen und Visionen von der nachtodlichen Existenz und
den Verstorbenen haben, Bilder, die ihnen einen Hinweis darauf geben, wie oder wo sich der
geliebte Mensch nun befindet.
Gerade in der intensiven Zeit der Trauer ist die Schwelle zwischen dem sogenannten Normalbewusstsein und dem Un- oder Überbewussten eher gelockert. Mehr als sonst strömen Bilder, Träume und Visionen aus einem andern Bewusstseinszustand in unser Tagesbewusstsein über. Wir werden dann zu Grenzgängern, denen es geschenkt wird, dass die Dichte der Trennung zwischen dem Hier und dem Drüben sich hin und wieder etwas lichtet. Die bewegenste Frage ist die nach der Existenz des Verstorbenen. Diese Fragen führen uns unmittelbar in die Bereiche des Religiösen, Transzendenten, des Mystischen oder auch Magischen. Alle Völker und Kulturen haben versucht, eine Antwort auf diese letzten Fragen zu finden, Fragen, die der Trauernde sich jetzt ganz unmittelbar und persönlich stellt. Diese Fragen sind ihm oftmals wichtiger und drängender als alles andere im Leben, denn er spürt, dass mit einer gültigen Antwort Trost erfahrbar wäre. Andere Trauernde haben hingegen grosse Angst, sich diesen bohrenden Fragen auszusetzen, denn sie haben wenig Hoffnung, eine für sie annehmbare Antwort zu finden. Sie wenden sich daher entweder von solchen Fragen ab, oder sie reagieren negativ oder verbittert. Religion und Dichtung, Philosophie und Mystik, Nahtodforschung, Wissenschaft und Parapsychologie sind Gebiete, aus denen uns Antworten erwachsen können. Weiterhin wird aber die Frage für uns im Hintergrund stehen: wieviel Gewissheit kann ich aus diesen Antworten empfangen, wieviel Glaubensgewissheit kann ich in meiner Person finden? Goethe sagt uns hierzu: Den Beweis für Unsterblichkeit muss ein jeder in sich selber tragen, ausser dem kann er nicht gegeben werden. Wenn es uns gelingt, befriedigende Antworten auf unsere Fragen zu finden, stellt sich häufig tatsächlich eine Linderung der tiefsten Schmerzen und Unruhe ein. Es wird uns dann möglich, den Verstorbenen in unseren Bildern und Vorstellungen zu begleiten und ihn nahe zu spüren. Es öffnet sich uns ein Tor, das uns einen Blick in eine mögliche Gegenwart und Zukunft des Verstorbenen verschafft. Wir vermissen dann zwar weiterhin den Verstorbenen, er fehlt uns in unserem Leben und in seiner physischen Unmittelbarkeit, aber wir haben das Vertrauen oder die Gewissheit, dass er weiterhin in einer anderen, uns nicht direkt zugänglichen Form existiert, dass er unter Umständen von mir und um mich weiss. Viele Menschen haben erlebt, dass der Einbruch des Todes sie in eine vertiefte oder sogar gänzlich neue Form von Religiosität und Spiritualität geführt hat. Manche von ihnen haben das Gefühl, dass diese neu gewonnene Dimension ein Geschenk des Verstorbenen an sie ist. Das Vermissen, das Fragen und der Schmerz, dem wir angesichts fehlender Antworten begegnen, müssen allerdings erst ausgehalten und durchgestanden werden. Manchmal werden uns Wegbegleiter in dieses Fragen und Ringen geschickt, Sendboten des Geistes in Form von gegenwärtigen Menschen oder in Form von Gedanken, Gedichten oder Kunstwerken uns unbekannter Menschen. Hin und wieder kann es uns geschenkt werden, dass uns das verzweifelte Fragen in eine lebendige, innere Begegnung mit dem Verstorbenen führt und wir auf diesem unmittelbaren Weg Anwort erhalten. |