Angehörigenbetreuung und Angehörige in ihrer Trauer begleiten |
Belastung und Selbstpflege |
| Selbstpflege heisst, dass wir lernen unsere Grenzen zu kennen, zu
erfahren und zu erfassen, zu unserem eigenen Schutz und zum Schutz der uns anvertrauten
Patienten.
Konzept der Selbstpflege nach Orem Nach Orem (1991) versucht der Mensch primär immer sich selber kontinuierlich qualitativ und quantitativ selber zu pflegen. Fremde Hilfe nimmt er erst bei deutlichen und länger andauernden Einbussen dieser Fähigkeiten, d.h. bei spürbaren Selbstpflegedefiziten an. Orem geht davon aus, dass jeder Mensch ein Mass an Selbstpflege hat, um seine täglichen Aktivitäten bewältigen und sich weiterentwickeln zu können. Sie nennt dies Selnstpflegebedarf oder Selbstpflegeerfordernis (Self-care demand). Um diese Selbstpflegeerfordernisse erfüllen zu können, braucht der Betreffende eine Selbstpflegefähigkeit. Anders ausgedrückt: Er nimmt erst Hilfe an, wenn er sich in einer medizinischen, psycho sozialen oder psychischen Krise oder kurz davor befindet. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Jedes Sterben das wir miterleben löst Reaktionen aus, die uns auch überraschen können. Darum ist es besonders wichtig, auch auf uns selber zu achten, unsere "Psychohygiene" als Begleiter ernst zu nehmen. Dafür brauchen wir Zeit, brauchen feste, zur Gewohnheit gewordene Rituale, die uns helfen, die intensiven Erlebnisse zu verarbeiten, damit wir wieder frei und offen werden für neue Aufgaben. Es scheint mir wichtig, dass das stille Dabeisein, dass auch Trauer als Arbeit anerkannt wird. Wir müssen immer wieder lernen, Menschen loszulassen, die uns in der Pflege und Begleitung liebgeworden sind. Die durch Elisabeth Kübler-Ross bekannt gewordenen Sterbephasen gelten in sehr ähnlicher Weise auch für die Trauerverarbeitung der Angehörigen und des Personals. Nur wer sich selbst entfaltet, bewirkt Gutes; dieses buddhistische Sprichwort erinnert daran, was ich lernen beziehungsweise verlernen muss, wenn ich andern wirklich helfen will. Lernen muss ich unter anderem, dass ich mich selbst, meine Lebenswünsche, Hoffnungen und Gefühle wahr- und ernstnehme, dass ich die Balance von Nähe und Distanz bewusst bestimme, dass ich sehe, was mir Kraft gibt oder nimmt. Durch Selbstwahrnehmung und Selbsthilfe ist jenes innere Leerwerden zu verhindern, das mittlerweile als "Burn-out-Syndrom" bezeichnet wird. Ausgebrannt sein ist ein schwerer Zustand, ähnlich einer langdauernden Depression. Zuwendung ist nur helfend, wenn sie in einem Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz im Umgang miteinander geschieht. Wenn durch die Nähe die Betroffenheit der BetreuerInnen zu stark vorherrscht, verfehlt die Beziehung das Ziel; der Betreuer identifiziert sich mit den Problemen des Kranken oder Sterbenden und gerät in denselben Problemkreis. Der Mensch kann nicht immer nur leisten, er muss auch empfangen, an die Sonne liegen, die Sterne betrachten, in der Natur Erholung und Distanz zum Alltag finden. Die Seele muss atmen, frische Luft schnappen aus dem Aether des Geistes. So wird der Mensch wieder locker, kreativ und verbreitet Freude - , trägt bei zur Heiterkeit unseres Lebens. Liebevolles sich selbstzuwenden ist essentiell. Ein gutes Selbstwertgefühl hilft tragfähiger zu sein. |